Gespräche, Stille und einfach "da sein"

Einige der Betreuerinnen des Hospizdienstes Oberes Enztal (von links): Sylvia Haag, Ursula Kirn, Regina Pross, Irmlinde Schaudi, Sibylle Schwämmle und Käte Keppler (Foto: Bechtle)

Alljährlich am zweiten Samstag im Oktober, in diesem Jahr am 10. Oktober, findet der „Welt Hospiz und Palliativ Care-Tag“ (WHPCA) statt, der von der Weltgesundheitsorganisation international unterstützt wird. Dieser Tag soll dazu dienen, auf oft tabuisierte Themen, wie Tod, Sterben und Trauer aufmerksam zu machen und diese gesellschaftlich zu verankern. Außerdem soll an die professionelle und ehrenamtliche Hospizarbeit erinnert werden, um die Unterstützung für diese Arbeit in der Gesellschaft zu erhöhen.
Seit knapp drei Jahren leitet und koordiniert Irmlinde Schaudi, Enzklösterle, den vor 15 Jahren von Kristina Bürk aus Calmbach gegründeten Hospizdienst Oberes Enztal. Dieser Hospizdienst ist einer von sieben weiteren Hospizdiensten im Kreis Calw, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. In ganz Deutschland sind es insgesamt 120.000 Ehrenamtliche.
Wir unterhielten uns mit Irmlinde Schaudi sowie einigen Ehrenamtlichen des Hospizdienstes Oberes Enztal über diese schwierige Aufgabe, sterbende Menschen zu begleiten, entsprechend der Maxime der Gründerin des Hospizdienstes, der Engländerin Cicely Saunders (1918-2005), welche diese Bewegung wieder ins Leben rief: „Sie sind wichtig, weil sie eben sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick ihres Lebens wichtig und wir werden alles tun, damit sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“
Beim Hospizdienst Oberes Enztal wirken 13 ehrenamtliche Damen mit, die zwischen 55 und 75 Jahre alt sind. Einen Mann, so Schaudi, gebe es derzeit leider keinen, wobei in vielen anderen Hospizdiensten mehr Männer aktiv sind. Schaudi bedauert dies sehr, da es immer wieder besondere Situationen gäbe, in denen ein männlicher Hospizhelfer die richtige Begleitung wäre. Die meisten Hospizhelferinnen kommen aus persönlicher Betroffenheit dazu. Durch die Begleitung und Pflege eines nahen Angehörigen und die damit verbundene große Belastung und Herausforderung, die sie selbst erlebt hatten, wolle man dies künftig besser machen können, der Situation professioneller begegnen und persönlich mehr Stärke gewinnen, war auch von den anwesenden Hospizhelferinnen zu hören.
Natürlich bemühe man sich auch um „Nachwuchs“ durch Pressemitteilungen und einer entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit. Mit Flyern in Arztpraxen, bei Hausärzten, in den Krankenhäusern und Heimen macht der Hospizdienst ebenfalls auf sich aufmerksam, denn viele Menschen wissen gar nicht, dass es ihn gibt. In persönlichen Gesprächen werben die Helferinnen ebenfalls für das Mitmachen in den Hospizgruppen.
Wie bekommt man das Rüstzeug für diese schwierige Aufgabe?
Natürlich werden die „Neulinge“ für ihre Arbeit gut vorbereitet. Sie besuchen einen „Grundkurs“ (zwei Wochenenden und zwei Samstage) sowie einen „Aufbaukurs“ (zwei Wochenenden und ein Samstag), außerdem absolvieren sie ein zweiwöchiges ehrenamtliches Praktikum in einem Pflegeheim, einer Sozialstation oder einem Hospiz. Die Aus- und Fortbildung findet in der Regel gemeinsam mit den Hospizdiensten Altensteig und Wildberg statt. Und auch nach dieser „Ausbildung“ trifft man sich regelmäßig einmal im Monat. Diese Begegnungen sind für die Helferinnen sehr wichtig. Hier können sie sich austauschen, nach Problemlösungen suchen, durch Supervision mit einer ausgebildeten Fachkraft das Erlebte verarbeiten und die Gemeinschaft stärken. Hier könne man wieder Kraft schöpfen, war zu hören. Eine Sterbebegleitung fordert die Hospizhelferinnen emotional sehr. Diese kann einige Tage oder auch über eine längere Zeit gehen. Hier die richtige Distanz zum Erlebten zu finden sei unbedingt nötig.
Der Hospizdienst Oberes Enztal ist zwar aus rechtlichen Gründen der Diakoniestation Bad Wildbad angeschlossen, jedoch in seiner Tätigkeit überkonfessionell sowohl für die Helferinnen als auch für die zu betreuenden Personen. Bisher, so Schaudi, sei es stets gelungen, für eine Begleitung die dafür geeignete „Helferin“ zu finden.
„Man profitiert auch für das eigene Leben,“ meint eine der Teilnehmerinnen im Gespräch, „denn man lernt dabei mit schweren Konflikten umzugehen.“
Grundsätzlich gilt, dass der Schwerstkranke oder Sterbende mit der Unterstützung durch den Hospizhelfer oder die Hospizhelferin einverstanden sein muss. Aus diesem Grund macht Irmlinde Schaudi, sie war selbst beruflich in der Palliativ- und Intensivpflege tätig, einen Erstbesuch in der betroffenen Familie oder Einrichtung. Nicht nur der Schwerstkranke oder Sterbende bedarf der Begleitung, auch die Angehörigen sind für die Unterstützung und ein Gespräch dankbar.
Viele Menschen wünschen sich, ihre letzte Lebenszeit zuhause im Zusammensein mit vertrauten Menschen zu verbringen. Deshalb ist es das Anliegen des Hospizdienstes, dies zu unterstützen und Menschen auf dem Weg des Sterbens ebenso zu begleiten wie deren Angehörige. Selbstverständlich erfolgt diese Begleitung auch in Pflegeinrichtungen und im Krankenhaus.
Diese kostenlose Hilfe und Begleitung erfolgt durch Gespräche und Stille, durch einfaches „Dasein“ oder durch Sitzwache, was in Achtung und Wahrung der Weltanschauung und der Religion aller Beteiligten geschieht. Die Helferinnen sind zur Verschwiegenheit und zur aufmerksamen Wahrnehmung der Wünsche und Bedürfnisse des Patienten verpflichtet, außerdem ist die Individualität und die Selbstbestimmung des Betroffenen zu achten. Oft werden dadurch auch für die pflegenden Angehörigen Freiräume und Entlastung geschaffen. Besonders schlimm ist es, so die Teilnehmer des Gesprächs, wenn Alleinstehende ohne Familien-Angehörige, sterbenskrank sind und niemanden haben, mit dem sie einen letzten Austausch im Gespräch oder nur mit Augenkontakten haben können.
Im vergangenen Jahr erfolgten 14 Sterbebegleitungen. Bis März 2020 (Beginn der gesetzlichen Corona-Auflagen) waren es vier Begleitungen. Seit Ende Juni kann der Hospizdienst unter den üblichen Auflagen wieder aktiv sein.
Zum Motto des diesjährigen Hospiztages „Solidarität bis zuletzt“ schreibt der Deutsche Hospiz- und Palliativverband: „Grundsätzlich wollen wir mit diesem Motto herausstellen, WOFÜR wir stehen - da sein, aushalten, dabeibleiben, unterstützen, Krankheit, Sterben Tod und Trauer in die Mitte der Gesellschaft holen!“
Auch im kommenden Jahr finden wieder Grund- und Aufbaukurse statt, und sozusagen als Werbung für die Unterstützung des Hospizdienstes wird zu einem Informationsabend für Interessierte am Mittwoch, 11. November 2020, eingeladen. Der Ort wird noch bekanntgegeben. Wer noch mehr wissen will, findet Informationen unter der Homepage des Hospizdienstes Oberes Enztal, bei der Einsatzleiterin Irmlinde Schaudi, Tel. 07081 – 955699, oder im Internet unter www.Hospizdienst.oberes-enztal@t-online.de.

 

 

Wechsel in Sekretariat und Kirchenpflege

Im Kreis vieler kirchlicher Mitarbeiter begrüßte Pfarrer Gottfried Löffler (M) die neuen Mitarbeiterinnen Mirjam Helber (l) und Bärbel Schmid (r) und verabschiedete die Scheidenden Thomas Sandvoß (2.v.l.) und Karina Gauß (2.v.r.).

Gleich zwei Veränderungen gab es im Januar in der Evang. Kirchengemeinde Bad Wildbad, diesmal jedoch nicht bei den Geistlichen, sondern bei wichtigen Mitarbeitern im Hintergrund. Zu diesem Anlass, nämlich zur Verabschiedung einerseits und zur Begrüßung andererseits waren am Donnerstagvormittag auf Einladung von Pfarrer Gottfried Löffler kirchliche Mitarbeiter, Kirchengemeinderäte, Kindergartenleiterinnen und Gemeindemitglieder im Ludwig-Hofacker-Haus zusammengekommen.

Die Doppelveranstaltung (Begrüßung und Abschied) stimmte Kantorin Regina Böpple musikalisch am Klavier ein mit der Französischen Suite G-Dur von Johann Sebastian Bach. „Eine denkwürdige Stunde zu ungewohnter Zeit,“ meinte Pfarrer Gottfried Löffler in seiner Begrüßung, denn der Wechsel erfolgte in zwei wichtigen Bereichen, in der Kirchenpflege und im Pfarrsekretariat. Bisher waren dort seit vielen Jahren Thomas Sandvoß (Kirchenpflege) und Karina Gauß (Pfarramtssekretärin) tätig. „Ohne diese beiden“, so Löffler, „gäbe es in der Kirchengemeinde eine totale Mangelverwaltung!“ Schließlich wären diese beiden Bereiche eine Art Schaltzentrale, die nach außen oft gar nicht wahrgenommen würde.

Als „stets freundliche und geduldige“ Pfarramtssekretärin war Karina Gauß über zwei Jahrzehnte tätig, auch als Blitzableiter für den Pfarrer, so Löffler schmunzelnd. Zum Beginn ihrer Tätigkeit im Pfarramt hatte Gauß die berufsbegleitende Ausbildung zur Pfarramtssekretärin im Kloster Denkendorf absolviert, und dabei spezifische Fachkenntnisse (Registratur, Archiv, Meldewesen, Verzeichnisführung usw.) für ihren Arbeitsbereich erworben. Natürlich veränderte sich im Lauf der Jahre die Arbeitsweise, aber stets war es wichtig, die zahlreichen Telefonate vor allem von und mit den Gemeindemitgliedern zu führen, die sie „nett und höflich“ (Löffler) geführt habe. Nun geht Karina Gauß in die passive Phase der Altersteilzeit.

Weiterhin beruflich tätig wird Thomas Sandvoß sein, der seit Anfang 2011 das Amt des Kirchenpflegers inne hatte. Während seine Vorgängerin in der Kirchenpflege nur Teilzeit angestellt war, wuchs seine Arbeit inzwischen auf 117%, auch nachdem die Kirchengemeinde Aichelberg dazukam, wobei ihn Rose Bäuerle unterstützte. Der Kirchenpfleger kümmert sich nicht nur um die Finanzen der Kirchengemeinde, sondern auch um die personelle Situation u. a. der drei Kindergärten (Oberlin, Fröbel, Sprollenhaus) sowie um Bausachen, die in den Räumlichkeiten der Kirchengemeinde anfallen. Sandvoß wird zukünftig in der kirchlichen Verwaltungsstelle in Calw tätig sein. Außer den Dankesworten gab Löffler beiden einen durchaus vielseitigen Gutschein auf den weiteren Lebensweg als äußeres Zeichen des Dankes mit.

Nun können ja die beiden wichtigen Arbeitsbereiche nicht führerlos bleiben. Deshalb stellte Löffler die beiden Nachfolgerinnen vor, die sich bereits während des Monats Januar unter Anleitung der bisherigen Mitarbeiter eingearbeitet hatten. Die Neuen, Bärbel Schmid (50) im Pfarramt und Mirjam Helber (32) in der Kirchenpflege, begrüßte er anschließend, hieß sie herzlich willkommen und wünschte beiden Gottes Segen in ihrem neuen Amt.

Dankesworte an die bisherigen Mitarbeiter im Pfarramt und in der Kirchenpflege gab es anschließend noch von Elke Miller-Mehret für die evangelischen Kindergärten in Wildbad und Sprollenhaus, Heidrun Holzäpfel von der Touristik für die problemlose Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren und Diakonin Beate Kunz für die aktiven kirchlichen Gruppierungen.

 

29. Januar 2020

 

 

Text und Foto: G. Bechtle

Duo Rouge entführt Zuhörer nach Argentinien

Das argentinische „Duo Rouge“, Silvia Ángles und Sebastián Olmedo mit den beiden Kirchenmusikern Nikolai Ott (Mössingen)und Regina Böpple (Bad Wildbad). (von links)

Mit „Tango und Wein“ war für Sonntagabend eine musikalisch-önologische Reise durch Argentinien im Ludwig-Hofacker-Haus angekündigt worden, Tango trifft klassische Moderne! Wer gehofft hatte, Melodien zum Tanzen hören zu können, wurde völlig enttäuscht, denn das „Duo Rouge“ bot einen Abend jenseits der gängigen Tango-Klischees.

„Duo Rouge“, das sind sind zwei argentinische Musiker, die Pianistin Silvia Ángles und der Violinist Sebastián Olmedo, die derzeit eine Tournee in Südwestdeutschland, Barcelona und Bordeaux durchführen, und ihr zweites Konzert in Bad Wildbad gaben. Dass dieses Duo nach einem Konzert in Mössingen nach Bad Wildbad kam, liegt an Regina Böpple, Kantorin der Evang. Kirchengemeinde Wildbad, deren Bekannter, der Mössinger Kantor Nikolai Ott, mit den beiden argentinischen Musikern seit Jahren freundschaftlich verbunden und ein Fan der Musikrichtung Argentinischer Tango ist. Dabei muss klar gesagt werden, dass es hier nicht um den Tanz Tango geht, sondern um Tango-Kompositionen der argentinischen Folklore, wie sie beispielsweise Astor Piazzolla (1921-1992) und Gerardo Jerez-Le-Cam (geb. 1963 in Buenos Aires) komponiert und veröffentlicht haben. Piazzolla ist bei uns durch seine Komposition „Libertango“, die „tanzbar“ ist, bekannt geworden, viele seiner anderen Kompositionen entstanden jedoch aus der Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino.

Die im Wildbader Konzert dargebotenen Kompositionen haben also nichts mit dem Tanz zu tun, zumal das in Argentinien meist gespielte Instrument das Bandoneon ist, dazu können sich alle möglichen Instrumente gesellen, vor allem auch solche die Percussionsgeräusche verursachen, wie auch im Konzert zu hören waren: Zupfen und Streicheln der Klaviersaiten, Bogenschläge auf die Violine oder Rasseln mit Muschelschalen, die über das Klaviermanual gezogen werden. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, teilweise sind synkopische Rhythmen oder melancholische Stimmungen in dieser Musik zu vernehmen. Piazzolla und Jerez-Le-Cam haben gleichermaßen „klassische“ Kompositionen von Vivaldi, Bartok selbst Bach zum Vorbild genommen, daraus jedoch völlig eigenständige Kompositionen geschaffen, welche keine Verbindungen zu den ursprünglichen Musikwerken zulassen.

So war die zu hörende Musik ungewohnt, bisweilen zärtlich und kämpferisch, verträumt und schräg, jazzig, behutsam und kraftvoll. Sie entsprach keineswegs dem, was der deutsche „Durchschnittshörer“ vom Tango erwartet.

Die beiden Künstler verstanden es auf jeden Fall die durchaus schwierigen Kompositionen hervorragend zu interpretieren, die einen Einblick in die für uns fast unbekannte musikalische Folklore Argentiniens und in zeitgenössische Werke argentinischer Komponisten gaben. Ungewöhnliche Klänge, kraftvoll und zart, sowohl vom Klavier als auch von der Geige!

Und Wein? Ja, es gab argentinische Weine, die zum Teil in den Anden bis in eine Höhe von 1.800 Metern angebaut werden. Sehr bekannt sind Malbec und Shiraz, wobei Malbec eigentlich aus Frankreich stammt, jedoch inzwischen dessen Hauptanbaugebiet Argentinien ist. Der Wildbader Weinspezialist Franz Schiegl, der beim „Tango und Wein“ anwesend war, bezeichnete den  farbintensiven und kraftvoll dunkeln Malbec als „angenehm trinkig, mit dichtem Aroma“, die Rebsorte würde allerdings in Frankreich kaum noch angebaut Die Rebsorte Shiraz, die in Frankreich Syrah heißt, ist eine der bedeutendsten Rotweinrebsorten überhaupt und wird nicht nur in Argentinien, sondern auch im französischen Rhônetal und in Australien angebaut. Diese durchaus trockenen Weine sind erstaunlicherweise in Deutschland nicht so beliebt.

Musik und Wein, mal was anderes! Ein interessantes Erlebnis war es auf jeden Fall. Der lang anhaltende Applaus bewies es deutlich.

  

12. Januar 2020

 

 

Text und Foto: G. Bechtle

Neuer Kirchengemeinderat eingesetzt

In einem Festgottesdienst in der Stadtkirche, musikalisch umrahmt von Kantorin Regina Böpple (Orgel) und dem Posaunenchor Sprollenhaus (Leitung Ewald Haag), wurde der am 1. Dezember neu gewählte Kirchengemeinderat der Kirchengemeinde Wildbad in sein Amt eingeführt. Vor der offiziellen Einsetzung dankte Pfarrer Gottfried Löffler den ausscheidenden Kirchengemeinderäten  Gernot Fröschle, Fritz Gaus, Marion Günthner, Martin Koch und Hans Volz für ihre Mitarbeit an den zahlreichen Aufgaben des bisherigen Kirchengemeinderats.

Der neue Kirchengemeinderat der Kirchengemeinde Wildbad/Sprollenhaus setzt sich zusammen aus den drei Pfarrern Gottfried Löffler, Thomas Föll und Stefan Wittig, der Kirchenpflegerin Mirjam Helbig, sowie den neu bzw. wieder gewählten Mitgliedern Gerhard Fischer, Ulrike Kämmerer, Hubert Keller, Markus Mutterer, Irmgard Treiber, Ruth Mostroph, Ernst-Oswald Mayer und Andrea Czerny, auf dem Foto mit Pfarrer Gottfried Löffler (von links). Bei der Einführung erhielten alle im Kirchengemeinderat Tätigen ein Foto-Puzzleteil, das stets mit den anderen zusammenpasst, unabhängig wie man es legt, und das die gemeinsame Arbeit zum Wohle der Kirchengemeinde darstellt.

 

12. Januar 2020

 

 

Text und Foto: G. Bechtle

Ihre Songs eine Offenbarung, ihre Stimme eine Wucht!

„Gigantisch!“, „Offenbarung für den Glauben!“, „Außergewöhnlich!“ „Unglaublich!“ das waren nach dem Musikgottesdienst von Tracey Campbell am Sonntagnachmittag in der Stadtkirche Wildbad die Stimmen der begeisterten Zuhörer. Nach ihren ebenfalls gut besuchten Auftritten in Bad Wildbad in den Jahren 2011 und 2012 (ebenfalls am 6. Januar) war die Stadtkirche beim diesjährigen Konzert brechend voll, so dass der Wildbader Pfarrer Gottfried Löffler die Besucher bat, auf den Bänken enger zusammenzurücken, damit auch alle Besucher einen Sitzplatz bekommen könnten.

Dieser musikalische Distriktgottesdienst des oberen Enztals der Kirchengemeinden Aichelberg, Calmbach, Enzklösterle, Höfen und Wildbad sprengte somit alle bisher bekannten Darbietungen von Künstlern oder Geistlichen,

Tracey Campbell erntete auch bei diesem Konzertgottesdienst, das neunte und letzte ihrer Tournee durch Südwestdeutschland (u. a. in Aldingen, Gärtringen, Bönnigheim, Marbach), fast unendlichen Beifall, dessen Ursache in der absolut einmaligen Interpretation ihres Glaubens und ihrer Stimme liegt. Die in Jamaika geborene und in London lebende Sängerin gilt als eine der begabtesten Gospelsängerinnen Großbritanniens und zieht europaweit ihre Zuhörer mit ihrer gewaltigen Soulstimme in Bann. Kein Wunder, dass sie schon mit vielen bekannten Musik- und Gesangsinterpreten aufgetreten ist. Gospel ist nicht nur der Klang, es ist die Botschaft des Trostes, des Glaubens, der Hoffnung und der Freude.

Ruhig war die musikalische Einstimmung dieses zweistündigen Gottesdienstes mit dem Saxophonsolo über eine weihnachtliche Weise von Andy Doncic, der zusammen mit Evie Sturm        (Gesang und Übersetzung) und anschließend am E-Piano seit Jahren die musikalischen Auftritte von Tracey Campbell im Rahmen der Gospel Company begleiten.

Pfarrer Gottfried Löffler freute sich bei seiner Begrüßung, dass man gemeinsam Epiphanias, das Erscheinungsfest feiern könne, wobei die drei Könige und die drei Geschenke wahrscheinlich die damals bekannten drei Erdteile bedeuteten. Drei Personen repräsentierten damit die ganze Menschheit und öffneten ihr Liebe zu dem Kind. Pfarrer Jon André Sövde (Höfen) las anschließend vor dem Gebet nochmals die Geschichte dieser einmaligen Erscheinung.

Dann übernahm Tracey Campbell die Leitung des Gottesdienstes und stimmte sehr zurückhaltend den Gospelsong „When a friend we have in Jesus“. Bereits bei ihrem zweiten Song „Take the Lord in prayer“ war der Funken übergesprungen, als sie die Gottesdienstbesucher zum Mitklatschen aufforderte, indem sie dies begründete: Schließlich sei die Kirche ja für das Gebet und Gotteslob gebaut worden. Noch etwas zögerlich bei den Kirchenbesuchern, dann jedoch nach Traceys Aufforderung mitzusingen, lockerte sich die zurückhaltende Stimmung bei „Jesus, Lord of all“. Sie und ihre „Zweitstimme“ Evie Sturm sangen schließlich für und mit dem Publikum.

Tracey animierte immer wieder zum rhythmischen Mitmachen und riss nach und nach die Besucher mit. Kanonartig wurde Jung und Alt (rechts, links, oben) eingebunden und mit geschickter Choreographie animierte sie schließlich zum Tanzen, was in den Bankreihen natürlich kaum möglich war. „Es gibt keine Vorschrift, wie man Gott loben kann,“ meinte sie, und wenn man dies mit Tanz, Bewegung, Gesang oder in andere Form tue, so sei es auf jeden Fall ein Lob für den Herrn. „There’s  a new name written to the Glory“, „I am, who I am“, „Jesus is mine“, „Praying for Love“, „Take me back to the river“, „In the name of Lord“ oder „What do you give“ waren einige von zahlreichen Titeln, gebethaft und rhythmisch betont, mit denen Tracey Campbell ihr Publikum mitriss. Man nimmt es ihr ab, dass sie an Gott glaubt und auf ihn vertraut, und dass Gott die Garantie für ihr Leben ist. Außergewöhnlich der Song „A bridge over troubled water“, den sie voller Inbrunst und mit großer Gestik wunderbar interpretierte. Mit jedem Lied wurden die Emotionen der Zuhörer und Mitmacher angesprochen und tief berührt. Sie wirkt energiegeladen und mitreißend mit wunderschöner Stimme, sorgt für Herzklopfen und Gänsehaut, reißt die Zuhörer mit, so dass in der Stadtkirche eine unglaublich positive Stimmung entsteht.

Ihre Choreographie in der Bewegung „To the left, to  the right, clap your hands, stomp your feet“, jeder, der kann, macht mit. „He will never leave us“ oder „We will trust in the Lord“ sind weitere begeisternde Titel, denen Tracey Campbell mit sonoren, ausdrucksvoller den Kirchenraum füllt und sie die Besucher anspricht. Auf Englisch stimmt sie schließlich das Lied „Lobet den Herren“ an und fordert zum Mitsingen auf, was hervorragend auf Deutsch klappt Natürlich wird noch „O come all you faithful“ (Adeste fideles, Herbei o ihr Gläub‘gen) gesungen, wiederum von Andy Doncic am E-Piano begleitet, der auch zwischen den einzelnen Songs die Überleitungen spielt, und gemeinsam mit der ansprechenden Sopranstimme von Evie Sturm ergänzt.

Tracey Campbell bot ihre Songs tiefgängig und wohlklingend, so dass es den Zuhörern immer wieder heiß und kalt übe den Rücken lief.

Pfarrer André Bohnet (Calmbach) macht den Abschluss dieses „etwas anderen jedoch sehr ausdrucksvollen Konzertgottesdienstes“ mit dem Gebet und Segen. Es war ein ausdrucksstarker, in Lebendigkeit und Begeisterung unvergesslicher Konzertgottesdienst, der alle Teilnehmer begeisterte.

 

6. Januar 2020

 

Text und Foto: G. Bechtle