Festabend des ambulanten Hospizdienstes Oberes Enztal

Höhepunkt des Festabends der Hospizgruppe; Die gesangliche Umrahmung durch die Sängerinnen der Gruppe „stimm3“

Ein Teil der Helferinnen des Hospizdienstes Oberes Enztal mit der Einsatzleiterin Irmlinde Schaudi (r).

„Hör in den Klang der Stille, hör den süßen Ton! Heut‘ ist unser Feiertag, Sorgen flieh’n davon“

Mit diesem Liedtitel eröffnete im Forum König-Karls-Bad in Bad Wildbad das Frauen-Ensemble „stimm3“ aus Calw den Festabend des Hospizdienstes Oberes Enztal und bot der Leiterin Irmlinde Schaudi den richtigen Einstieg zur Begrüßung der zahlreichen Besucher, Freunde, Förderer und vor allem aber der ehrenamtlichen Hospizhelferinnen.

Einmal im Jahr lädt die Hospizgruppe zu, „Ihrem Feiertag“, so Irmlinde Schaudi, ein, und dieses Fest ist stets mit einem interessanten, aktuellen oder unterhaltenden Programm und kleiner Bewirtung verbunden. Schaudi nutzte diesen Festabend auch dazu, um die Aufgaben des Hospizdienstes in den Fokus zu stellen. Vierzehn Hospizhelferinnen stehen ihr für diese Arbeit derzeit zur Verfügung.

Im Alltag wird die Arbeit der Hospizhelferinnen das ganze Jahr über öffentlich kaum wahrgenommen. „Man sieht und hört nichts davon, weil sie in aller Stille und mit großer Zurückhaltung ihren Dienst versehen. Der Hospizdienst ist ein stiller Dienst“ so Schaudi. Der jährliche Festabend aber solle allen Freude bereiten.

In das Festprogramm eingebunden war die Vorstellung und Verpflichtung von vier neuen ehrenamtlichen Absolventinnen zur Hospizhelferin. Schaudi gratulierte dazu Sybille Schwämmle (Nonnenmiß), Stefanie Riegger (Höfen), Regine Erhard (Enzklösterle) und Regina Proß (Calmnach). Ein hohes Maß an zeitlichem Aufwand und Engagement sei dazu erforderlich gewesen. 62 Unterrichtsstunden und ein mehrwöchiges Praktikum waren für die erfolgreiche Qualifizierung notwendig. Um einen Eindruck der Aufgaben zu vermitteln, las Schaudi einen kleinen Auszug der Verpflichtungserklärung vor und betonte, dass die absolute Schweigepflicht für jede Hospizhelferin eines der obersten Gebote sei. Nach feierlicher Unterzeichnung der Verpflichtungserklärungen seitens der Hospizhelferinnen, überreichte Schaudi diesen ein kleines Holzkreuz, eine Rose sowie eine Kerze „für viel Licht für diese Aufgabe“, dazu sprach sie ein Segensgebet.

Aber nicht nur Formelles und Informationen bot dieser Festabend. Ein absoluter Glanzpunkt für alle Besucher war der Auftritt des Frauen-Ensembles „stimm3“

Tief berührt zeigten sich die Besucher vom musikalischen und gesanglichen Programm der fünf Damen. „Gänsehautfeeling“ kam auf, als die fünf Sängerinnen (Martina Theurer, Elise Theurer, Marlene Theurer, Beate Pardo und Monika Freundorfer) mit ihren hervorragenden Stimmen, zum Teil instrumental mit Querflöte, Flöte, Rhythmusinstrumenten begleitet, ihre Lieder präsentierten. Wunderschön harmonisch, dreistimmig, vom glasklaren Sopran Elise Theurers dominiert, begeisterten, bezauberten und berührten die Sängerinnen die Herzen der Besucher.

Martina Theurer begleitete nicht nur am Flügel, sie moderierte das Programm, las passende Texte und Geschichten vor und gab den einzelnen Beiträgen so einen wunderbaren Rahmen. Das Repertoire des Ensembles umfasst ein breites Spektrum über alle Stile und Epochen hinweg. Es sei nicht einfach gewesen, ein Programm zusammenzustellen, welches dem Anlass entsprechend zugeschnitten sei, denn für einen Hospizdienst habe „stimm3“ bisher noch nicht gesungen, so die Moderatorin. Auch mit dem Thema Sterben und Tod habe man sich bisher programmmäßig noch nicht auseinandergesetzt, war von ihr zu hören. Jedoch wolle „stimm3“ einen Spaziergang von Dunkel zu Hell, einen Abend voller Hoffnung wolle mit ihrem Auftritt vermitteln. Und dies tat das Frauen-Ensemble dann auch. Humorvoll, mit drei Zugaben, nicht endend wollendem Beifall wurde der exzellente Konzertabend beendet.

Der herzliche Dank von Irmlinde Schaudi galt nicht nur „stimm3“, sondern ebenso all ihren ehrenamtlichen Hospizhelferinnen, denen sie eine Rose überreichte. Bei einem Glas Sekt und diversen Knabbereien ließen die Besucher den wunderschönen Festabend des Hospizdienstes Oberes Enztal ausklingen.   

 

Text und Fotos: Bechtle

Sicherer Umgang mit Informationstechnologie

Stefan Kämmerer vermittelte in seinem Vortrag „IT-Awareness“ viele Möglichkeiten, um Probleme im digitalen System (Informationstechnik) zu vermeiden.

Vortrag „IT-Awareness für jedermann“ hieß es im „Enztal-Journa mit Tipps, Terminen, Veranstaltungen“ der drei Enztalgemeinden Bad Wildbad; Höfen und Enzklösterle. Awareness? Da war es kein Wunder, dass nur sehr wenige Interessierte kamen, um sich über „Kenntnisse und Bewusstsein“ zur Informationstechnologie zu informieren. Schließlich sollte jeder, der einen Computer, ein Laptop, ein Tablet oder vor allem ein Smartphone nutzt; über die Gefahren wissen, die ihm dabei drohen können.

Stefan Kämmerer aus Enzklösterle ist Informations-Sicherheits-Beauftragter einer baden-württembergischen Bank und möchte, dass die Nutzer der digitalen Technik etwas mehr Sicherheit gegenüber den Gefahren im IT-Bereich erfahren. Aus diesem Grund bot er den beiden Kirchengemeinden Wildbad und Enzklösterle einen Vortrag zu diesem Thema an.

Der „Enkeltrick“ ist nahezu jedem bekannt, und trotzdem fallen immer noch manche darauf herein.  Das Gewinnspiel nützt niemandem, außer dem, der eine Datenabfrage (Name, Anschrift, E-Mail, Alter, Geburtstag usw.) für seine Zwecke durchführt. Kämmerer: „Kein Mensch verschenkt etwas aus freien Stücken. Und warum will ein Unbekannter mir etwas Gutes tun?“ Die EnBW, Telekom, Amazon usw. ruft an und fragt nach der Zufriedenheit mit ihrem Service. Keinesfalls mit „JA“ antworten. Microsoft ruft an: „Sie wurden gehackt!“ Interessiert es Microsoft wirklich, ob ein Kunde gehackt wurde. Am besten: Hörer auflegen!

Wichtigster Rat am Telefon bei Anrufen von Unbekannten: Niemals ein Passwort, PIN, TAN, PUK, Kontonummer, Geburtstag usw. herausgeben! Wenn eine Institution etwas wissen will, soll sie es schriftlich machen und per Post zusenden. Androhung möglicher Strafen, Forderung wg. Mahngebühren, Rabatt- oder Gewinnchancen grundsätzlich ablehnen!

Bei E-Mails empfiehlt Kämmerer den „Drei-Sekunden-Check“: Kenne ich den Absender? Ist der Betreff sinnvoll? Erwarte ich diese Mail? Erwarte ich diesen Anhang? Dateianhänge, vor allem solche, bei denen man einen Knopf (Link) anklicken soll, sind problematisch. Ist die Sprache in der Mail einwandfreies Deutsch? Wird man mit der E-Mail-Anschrift angeredet? Dann lieber löschen!

Was das Passwort betrifft, so sollte man unterschiedliche Passwörter für unterschiedliche Dienste verwenden. Für wichtige Passwörter (Kreditinstitute, Verträge usw.) keine Worte, Zahlen- oder Buchstabenfolgen oder Namen verwenden, sondern beispielsweise die Anfangsbuchstaben einer Aussage, eines Sprichwortes, eines Liedes, vermischt mit Zahlen und Zeichen, z B. „Hi2Fi@g?“ (@ für A: Habe ich zwei Fahrräder in Altensteig gekauft?). Je länger die Verschlüsselung ist, desto schwieriger ist sie zu knacken. Passwortlisten gibt es zwar im Internet, aber auch die sollte man lieber nicht verwenden. Beim Phishing = nach Passwörtern fischen – will man die Schwachstelle „Mensch“ ausnutzen, deshalb bei entsprechenden Anrufen oder Mails besonders vorsichtig sein.

Falsche Behörden und Institutionen! Die Polizei ruft nicht an, wenn in der Nähe eingebrochen wurde und warnt sie wegen Schmuck oder Geld. In solchen Fällen die richtige Polizeidienststelle anrufen und rückfragen.  Zur Überprüfung, ob ein Passwort bekannt ist,  <https://www.haveIbeenPwned> aufrufen und Passwort eingeben.

Bei den „Sozialen Netzwerken“ (facebook, instagram, twitter usw.) grundsätzlich keine persönlichen Daten eingeben, viele „likes“ zu haben, macht süchtig! Der Missbrauch persönlicher Informationen kann Probleme bringen, deshalb auch Kommentare in „posts“ beobachten.

Die von Kämmerer aufgeführten Maßnahmen sollten eigentlich selbstverständlich sein, aber man bedenkt oft viel zu wenig, welche Folgen ein unbedachtes „JA“ am Telefon oder ein gedrückter Link in Mails haben kann.

Der Eintritt zu Kämmerers Vortrag war kostenlos, eine Spende, so Pfarrer Gottfried Löffler, der dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen dankte, komme der Gefährdetenhilfe Wegzeichen in Enzklösterle zugute.

 

Text und Foto: Bechtle

 

Festliche Konzertklänge

Bericht von der Einweihung im Jahr 1994

Am Pfingstsonntag (22. Mai) 1994) erklang in einem Festgottesdienst erstmals die neue Orgel in der Kirche von Sprollenhaus im Rahmen eines Festgottesdienstes, den der damals amtierende Pfarrvikar Matthias Frasch hielt. Natürlich war die kleine Dorfkirche bis auf den letzten Platz besetzt, um die „Königin der Musikinstrumente“ zu sehen und vor allem zu hören. Die Orgel, das Instrument christlicher Musik, war aus Kiefernholz wie der Altar, die Kanzel und das Taufbecken. Diese sog. „Kleinorgel“ mit zehn Registern, zwei Vorabzügen und einem Oktaveinzug (743 Pfeifen aus Holz, Zinnbleilegierung und Messing zwischen 15 mm und 2,50 m) war die erste Orgel in dem in den 30er Jahren erbauten Gotteshaus. denn bisher wurde der Gesang im Gottesdienst mit  einem Positiv (kleine, leicht versetzbare Orgel) begleitet. Nach einem grundsätzlichen Beschluss im Februar 1991 zur Anschaffung einer Kleinorgel wurde ein Jahr später, im Juni 1992 der Auftrag an die Leonberger Werkstätte für Orgelbau Mühleisen erteilt, wobei zum einen die Platzsituation abgestimmt werden musste, und zum anderen eine schwierige Raumsituation mit vollem Raumklang erwartet wurde. Die Kosten betrugen 170.000 DM.

Während Kirchenmusiker Ewald Haag den Gottesdienst auf der neuen Orgel begleitete, gab es im Anschluss ein Orgelkonzert, bei dem Kantorin Margit Friedle die „Choralpartita“ von Johann Sebastian Bach spielte, eine Komposition, welche mit elf Variationen die Möglichkeiten und den Klang der Orgel eindrucksvoll zeigte.

Am vergangenen Sonntag hatte die Evang. Kirchengemeinde Wildbad-Sprollenhaus anlässlich der vor einem Vierteljahrhundert eingeweihten Orgel zu einem „Jubiläumskonzert – 25 Jahre Mühleisen-Orgel“ eingeladen, bei dem Kantorin Regina Böpple (Orgel) sowie Julia Günthner (Posaune) und Jonas Haag (Trompete) mitwirkten. Nach den Sätzen Allegro con brio (kräftig und stürmisch) und Allegretto (zart und zurückhaltend) der Sonate Nr. 4 B-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy begrüßte Pfarrer Gottfried Löffler die Konzertbesucher und stellte die eher rhetorisch gemeinte Frage, was eine Pfeife sei, da es ja außer Orgelpfeifen auch Tabakspfeifen, Trillerpfeifen oder Glaspfeifen gebe. Die Luft und das Geräusch, das eine Orgelpfeife verbreitet, ist nicht sichtbar, ist aber wie die Liebe oder der Heilige Geist, die man selbst erfahren kann.

Durch das Konzertprogramm führte Organist Ewald Haag, der die Besonderheiten der folgenden Kompositionen erläuterte; aus der Partita Nr. 6, „Die kleine Kammermusik“ von Georg Philipp Telemann spielte Regina Böpple, begleitet von Posaune und Trompete ,die Aria 3 und 5. Dreistimmig (zwei Manuale und ein Pedal) erklang aus der Triosonate Es-Dur von Johann Sebastian Bach der erste Satz (Allegro moderato), ein „unbestechlicher Prüfstein für den Organisten“, so Ewald Haag, „Musik, welche die Tiefe der menschlichen Seele berührt.“.

Von Nikolaus Bruhns (1665-1697) stammt die Komposition „Großes Präludium e-Moll“, die ursprünglich für Orgel, Geige und Gesang gedacht war, Es ist ein eigenwilliges Werk mit zwei Fugen und einer verschachtelten Rhythmik, anstrengend für den Spieler, jedoch Regina Böpple meisterte diese Komposition hervorragend, wofür sie viel Beifall erhielt. Nach sehr langem Vorspiel mit dem Thema „Nun danket alle Gott“ sangen die Konzertbesucher den von Martin Rinckart (1586-1649) komponierten gleichnamigen Choral

Das „Grußwort“ so Gottfried Löffler, sei der Segen des Herrn, den er der Gemeinde spendete. Musik aus Frankreich, so Ewald Haag, nämlich die Sinfonie Nr. 1 d-Moll von Louis Vierne (1870-1937), ein durchaus modern klingendes Werk und als Zugabe nochmals „Nun danket alle Gott“ in einer Bearbeitung von Sigfrid Karg-Elert beschlossen das Jubiläumskonzert. „Das nächste Konzert wird nicht erst in 25 Jahren sein,“ versprach Pfarrer Löffler beim Abschied.

Götz Bechtle

Radtour zu den Enztal-Orgeln - vier Etappen - vier Konzerte

Mit dem Slogan “Alles, was Sie für dieses Ereignis benötigen, ist ein funktionsfähiges Fahrrad“ warb Kantorin Regina Böpple für vier Orgelkonzerte der besonderen Art. So fanden sich am Samstag, 6.Juli, morgens um neun Uhr, ein knappes Dutzend neugieriger Radler in der Wildbader Stadtkirche ein und lauschten gebannt der wunderbaren Orgelmusik von J. L. Krebs und J. S. Bach, die Regina Böpple erklingen ließ. Was für ein herrlicher Einstieg ins Wochenende! Radelnd ging es weiter zur Calmbacher Kirche, wo weitere Besucher und Radler bereits warteten. Mit den jungen Brüdern Farrell Günthner (Trompete) und Rafaele Günthner (Saxophon), beide Schüler von Martin Koch, stießen zwei weitere Musiker hinzu und ließen Telemanns Suite Nr 1, bearbeitet für Orgel und Trompete, und das Air von Bach erklingen. Die tolle musikalische Leistung gerade der jungen Musiker wurde mit reichem Beifall bedacht. Radelnd ging es weiter zur Höfener Kirche, wo Frau Böpple Robert Schumanns „Skizzen für den Pedalflügel“ spielte. Als letztes Etappenziel wurde die Stadtkirche Neuenbürg gegen 11.30 Uhr erreicht. Bezirkskantor Bernhard Müller begrüßte die Radlergruppe, skizzierte die Geschichte der Kirche und ihrer Orgel und spielte ein Stück von Dubois. Regina Böpple setzte mit Bachs „Pièce d'Orgue“ gekonnt den musikalischen Schlusspunkt unter ihre bestens gelungenen kleine Konzertreise. Gegen 13 Uhr, lange vor dem großen Regen, waren Kantorin und Radler wohlbehalten zurück und stärkten sich im Ludwig-Hofacker-Haus.

Es war die Kombination aus Bewegung und Besinnung, aus Radeln und innerer Einkehr, die das Gotteslob einmal anders erleben ließ.

Hans Volz

Höchste künstlerische Qualität beim Konzert von „capella vocalis“

Klanglich und gesanglich einmalig war die Geistliche Chormusik des Knabenchors „capella vocalis“ unter der Leitung von Christian J. Bonath, instrumental begleitet von Kantorin Regina Böpple (r).

Chormusik auf höchstem Niveau war am Sonntagnachmittag in der Stadtkirche Wildbad zu hören: der Knabenchor „capella vocalis“ aus Reutlingen bot geistliche Chormusik vom Feinsten unter „I will sing with the spirit“. Was die 31 Knaben und jungen Männer gesanglich boten, war ein „Chor aus Leidenschaft.“

So bezeichnet Christian J. Bonath „seinen“ Chor, der 1993 gegründet wurde und den er seit 2012 leitet. Bonath ist Spezialist für Alte Musik, lehrt an der Musikhochschule Mainz, und bildet als Musikpädagoge ständig Nachwuchssänger für den Chor „capella vocalis“ aus. Höchste künstlerische Qualität, Stiltreue und Klangschönheit zeichnen die Interpretationen des Chores aus, der zu den führenden Ensembles seiner Art zählt.

Der wohlklingende Beweis für diese Aussage war im Bad Wildbader Konzert zu hören. Bereits der vokale Einzug des Chores in die Kirche sowie der Auftritt der Formation war eindrucksvoll und perfekt. Musikalisch eingerahmt wurde das Konzert von zwei wunderschönen Motetten zu vier Stimmen des englischen Komponisten John Rutter, geb. 1945, der gegenwärtig als einer der bedeutendsten und populärsten Schöpfer von Chor- und Kirchenmusik gilt: „I will sing with the spirit“ und „Look at the world“. Hier zeigte sich die absolut klare chorische Arbeit des Chorleiters und das außergewöhnliche Mitgehen der jugendlichen Sänger, die stimmlich hervorragend geschult sind. Zwischen diesen beiden „modernen“ Kompositionen waren Chorwerke von Anton Bruckner (1824-1896), Felix Mendelssohn-Bartholdy (1819-1847) sowie Johann Sebastian Bach (1685-1750) zu hören. Aus Bachs „Fünf geistliche Lieder“ für Solo – hier gefiel Jan Jerlitschka mit seinem wunderbarem Altus (hohe Männerstimme) besonders – hatte Bonath mehrere typische herausgesucht, die er mit Mendelssohn-Bartholdys „Drei geistliche Lieder“ ergänzte und so die Unterschiede und Ähnlichkeiten hervorhob. Erfreulicherweise wies Bonath das Publikum zum besseren Verständnis der Chorwerke immer wieder auf die Besonderheiten der Kompositionen hin. Und dann den Knabenchor zu hören, der stimmlich einzigartig dem bewegten Dirigat des Chorleiters folgte, war ein Hörvergnügen, wie man dies nur selten erlebt. Wie ein gesanglicher Atemhauch verklingend endeten teilweise die Darbietungen mit höchstem Niveau und perfekten Stimmen. Neben den klassischen Werken waren auch zwei Kompositionen von Christian J. Bonath (geb. 1979) zu hören, die Motette für Chor zu vier Stimmen und Orgel „High and blessed trinity“ sowie die Musik für Chor und Klavier „God be in my head“, die fast beschwingt den Stil des Konzerts erweiterte.

Deutlich war festzustellen: Freude am Singen, am erfolgreichen gemeinsamen Musizieren, ebenso wie Freude an Qualität prägte das gesamte Konzert, das von den Zuhörern begeistert aufgenommen wurde. Nicht vergessen darf dabei die Begleitung am Klavier durch Kantorin Regina Böpple, sowie an der Orgel mit dem ersten Satz (Allegro con brio) und dem vierten Satz (Allegro maestoso) der wunderschönen „Sonate für Orgel Nr. 4 B-Dur“ von Mendelssohn-Bartholdy, beide von der neuen Kantorin Regina Böpple absolut gelungen interpretiert.

Es war ein einmaliges begeisterndes Konzert dieses außergewöhnlichen Knabenchors, das durch die Vermittlung von Regina Böpple zustande gekommen war: sie war während ihres Studiums „Schülerin“ von Christian J. Bonath.

 

Text und Foto: Bechtle

Stehende Ovationen beim Konzert von Gospeltrain

Die Organisatorin der Jahresfahrt von „Gospeltrain“ Karin Hitzler und ebenso die Sängerinnen Constanze Leis und Margot Hasmann sind begeistert vom Nordschwarzwald (von links).

Der Gospelchor „Gospeltrain“ aus Wellesweiler-Neunkirchen begeisterte mit einem ausgezeichneten Gospelkonzert unter der Leitung von Nino Deda (am Keyboard) die Zuhörer in der gut besuchten Stadtkirche in Wildbad.

Begeisterungsstürme und Ovationen gab es beim Gospelkonzert in der gut besuchten Wildbader Stadtkirche. Der „Gospeltrain“ der Paul-Gerhardt-Kirche im Kirchenbezirk Wellesweiler der Stadt Neunkirchen war zu Gast im Schwarzwald und bot ein absolut einmaliges Konzert mit zahlreichen Mitwirkenden, die ein sehr ausdrucksvolles Repertoire an Gospelsongs boten.

Gospel bedeutet Evangelium und leitet sich vom altenglischen Wort „gödspel“ her, wörtlich „gute Nachricht“. Die Gospelmusik hat ihren Ursprung in den Spirituals, den Songs der schwarzen Sklaven in Amerika, die auf den Plantagen der weißen „Herren“ schufteten und mit der Religion ihrer Unterdrücker in Berührung kamen, biblischen Texten, die von einem Gott der Liebe und Vergebung handelten. Diese Spirituals sangen sie bei ihrer Arbeit und später auch in den Gottesdiensten, wobei vor allem Geschichten aus dem Alten Testament, so das Schicksal des Volkes Israel in der ägyptischen Sklaverei, viele Parallelen zu ihrem eigenen Schicksal boten.

Die ersten Gospelsongs, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden, erzählen von der frohen Botschaft, vom Evangelium. Durch die Gospelmusik kommt auf eine ganz eigene Art und Weise christlicher Glauben zum Ausdruck und fasziniert und begeistert immer mehr Menschen.

Und so war es auch beim Konzert des Gospeltrains in der Stadtkirche. Bereits ihr singender Auftritt mit „God gave me a song“ vom hinteren Kirchenteil, rechts und links an den Konzertbesuchern vorbei und schließlich im Altarraum zusammenfindend, zeigte die Geschlossenheit der rund 40 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Kantor Nino Deda, der mit Freude und aktivem Körpereinsatz nicht nur Bewegung in den Chor brachte, sondern auch am Keyboard die meisten Chöre begleitete und instrumental erweiterte. Dazu kommt, dass Nino Deda, der den Chor seit 20 Jahren leitet und mit aufgebaut hat, viele Gospelsongs so arrangiert, dass die Stimmen der Mitwirkenden, alles Laien, bestens passen und einen überaus harmonischen Klang vermitteln, auch eigene Gospelsong hat Deda komponiert.

„You are holy“, „Draw me close to you“, „Come let us sing“, „I found the way“, „The Lord is my life“, „I found to pray“, „Come into expression“, „Keep my way in the morning“ oder „I’m a friend of God“ sind nur einige der zahlreichen Gospelsongs, mit denen die Sängerinnen und Sänger mit Fröhlichkeit den Glauben vermittelten. Die englischen meist schwierig zu verstehenden Inhalte wurden von Hermann Bauer und Desirée Ferber-Morsch kurz erklärt, während Pfarrer Bertram Weber eindrucksvolle Worte als Bekenntnis zum Glauben sprach.

Nino Deda animierte immer wieder die Zuhörer, das rhythmische Händeklatschen und Fingerschnipsen des Chores zu übernehmen, was gerne gemacht wurde.

Von den meist schwungvoll, im echten Sinne des Wortes, dargebotenen und ausgezeichnet interpretierten Gospelsongs ging ein besonderer Zauber aus, der Assoziationen weckte, die Zuhörer mitriss und die Hektik des Alltags vergessen ließ.

Das Gesamtbild von Gospeltrain wirkte nicht nur musikalisch, sondern auch ihr geschlossener farblicher Auftritt in schwarzer Kleidung und auffallend gelb-lila Schals der Sängerinnen und lila Krawatten der Sänger.

Dass der Gospeltrain auch solistisch sehr gut mithalten konnte, bewiesen die gesanglichen Einlagen von Magdalena Hassung, Elisabeth Wern, Sybille Scheuermann, Christoph Allwissner, Jasmin Kruszynski und Michaela Gros, welche bei den Gospels den chorischen Teil bereicherten.

Ein wunderbares Schlussbild, optisch und akustisch, bot Gospeltrain mit erhobenen gegenseitig gehaltenen Händen und dem einzigen deutsch gesungenen Gospel „Deine Hand hält mein heute und mein morgen“ und „Let us stand, hand in hand“. Es sind eindrucksvolle Songs, und die frenetisch applaudierenden Zuhörer wurden mit mehreren Zugaben, dem bekannten „I will follow you“ und dem „Irischen Segen“ belohnt.

Wie kam nun der saarländische Gospelchor in den Schwarzwald? Alle zwei Jahre führt der Chor eine Jahresfahrt durch, die von Sängerin Karin Hitzler vorbereitet und organisiert wird. Am Fronleichnamstag fuhr der Gospeltrain mit einem großen Bus ins Enztal, um hier bis Sonntagmittag eine erholsame Zeit zu haben. Dabei spielte auch die Stadtkirche als Auftrittsort für das Gospelkonzert eine wichtige Rolle, „ein wunderbarer Kirchenraum mit einer guten Akustik“, betonte Nino Deda nach dem Konzert. Aber auch sonst waren die in der „Enzresidenz“ in Enzklösterle wohnenden Teilnehmer der Jahresfahrt vom Enztal begeistert. Sie unternahmen Spaziergänge in den Kurparks von Enzklösterle und Bad Wildbad, herrliche Wanderungen im Wald, badeten im Palais Thermal und besuchten per Bergbahn den Sommerberg und den Baumwipfelpfad, „eine wunderbare Gegend“ meinte Karin Hitzler, die auch gleich betont, hier bald einen Urlaub zu verbringen. Sei’s drum, nicht nur die Zuhörer beim Konzert waren von „Gospeltrain“ begeistert, auch den Gästen aus dem Saarland gefiel die wunderbare Natur und genauso die „gute Luft.“

 

Text und Fotos: Bechtle

 

 

Ein großartiges Konzert: Die Posaunenfeierstunde

Ein großartiges Konzert: die Posaunenfeierstunde des Posaunenchors Sprollenhaus in der Wildbader Stadtkirche.

Bezirksposaunenwart Edgar Theurer ehrte Heiderose Gauß, Gunter Reister und Jochen Günthner für langjähriges aktives Musizieren im Posaunenchor Sprollenhaus (von links)

Einer der musikalischen und geistlichen Höhepunkte des seit fast 70 Jahren besehenden Posaunenchors Sprollenhaus ist die einmal jährlich stattfindende  Posaunenfeierstunde, die stets in der Stadtkirche in Bad Wildbad zu hören ist. Intensivst bereiten sich die Bläserinnen und Bläser unter der Stabführung von Ewald Haag auf dieses Ereignis vor, obwohl eine große Anzahl von anderen Anlässen ebenfalls das Spiel des Posaunenchors erfordern.

 

Am Sonntagabend war es wieder einmal so weit, die Posaunenfeierstunde forderte den Einsatz aller Mitwirkenden, die nicht nur aus Sprollenhaus, sondern auch aus Aichelberg, Wildbad und Nonnenmiss kommen, diesmal waren sogar Bläser aus Schömberg dabei. Das Besondere an der Posaunenfeierstunde ist eine aparte Mischung aus klassischen und neuen Kompositionen für Posaunenchöre, wobei es inzwischen selbstverständlich ist, dass auch Schlagzeug im Einsatz ist sowie ein verkürzter Gottesdienst zwischen den einzelnen musikalischen Darbietungen, den diesmal Pfarrer Gottfried Löffler hielt.

 

Mit der Pop-Ballade „Glory-Song“, einer Komposition für Blechbläser von Michael Schütz wurde die Feierstunde recht schwungvoll eröffnet, da hier auch Daniel Stiegler am Schlagzeug zum Einsatz kam. Gemischt begleitet vom Posaunenchor und mit Orgelspiel, an der Orgel der Stadtkirche spielte erstmals Samuel Schick, sangen die Besucher das bekannte Paul-Gerhardt-Lied „Du meine Seele singe“, dem das neuzeitliche „Unser Gott ist heilig“ folgte. Zweimal Felix Mendelssohn-Bartholdy mit „Kyrie eleison“ (Herr erbarme dich) und „Ehre sei dem Vater“ folgte die rhythmisch leicht untermalte Eißler-Komposition „Du hast Erbarmen.“

 

Der Posaunenchor Sprollenhaus, er besteht bereits seit 1952, ist ein ausgezeichnetes Blasorchester, ausschließlich mit Laienmusikern, die seit vielen Jahren von Ewald Haag geschult und geleitet werden. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich das Repertoire der 35 Mitwirkenden durchaus geändert, da inzwischen viele neuzeitliche geistliche Kompositionen, auch aus dem Bereich der Gospelsongs gespielt werden. Dass manche dieser Chöre rhythmisch begleitet werden, gefällt auch jüngeren Musikfreunden, so dass der Posaunenchor immer wieder den Zugang von Jungbläsern verzeichnen kann. Seit einigen Jahren spielen auch Bläser des früheren Posaunenchors Aichelberg mit, da dieser zahlenmäßig zu klein geworden war. Sozusagen als Gegenleistung wirkt der Posaunenchor Sprollenhaus auch bei besonderen Anlässen der Kirchengemeinde Aichelberg mit.

 

Festlich wurde die Posaunenfeierstunde mit „Marche du Sacre“ von J.-F Lesueur fortgesetzt, dem die neuzeitliche Komposition „Heaven“ von Hans Zellner folgte, wunderbar getragen und harmonisch vom Posaunenchor interpretiert. Dann waren wieder die Klassiker zu hören, von J.S. Bach „Freu dich sehr“, ein klangvolles mächtiges Werk, dem Buxtehudes „Toccata in G“ ein sehr schönes Orgelwerk, das Samuel Schick auf der Orgel wunderbar darbot. „Jauchzet dem Herr alle Welt“, der stark variierende Bläsersatz „Jesu geh voran“ und das harmonische „Verleih uns Frieden gnädiglich“ gefielen durch das schöne Zusammenspiel der Bläserinnen und Bläser.

 

Eigentlich recht überraschend, auch für die Bläserinnen und Bläser, unterbrach Bezirksposaunenwart Edgar Theurer aus Schömberg die Feierstunde, um zwei Bläser und eine Bläserin für ihr langjähriges aktives Mitwirken im Posaunenchor Sprollenhaus auszuzeichnen. Seit 40 Jahren sind Heiderose Gauß und Jochen Günthner aktive Musiker beim Posaunenchor Sprollenhaus. Theurer zeichnete die beiden Geehrten mit der Ehrennadel des Evangelischen Jugendwerks aus, zu dem alle württembergischen Posaunenchöre gehören. Gunter Reister kam in seinem früheren Wohnort Weiler mit elf Jahren zum dortigen Posaunenchor und unterstützt seit 65 Jahren das Posaunenspiel, davon schon viele Jahrzehnte in Sprollenhaus. Ihm konnte Theurer allerdings keine Nadel überreichen, dafür eine vom Posaunenchor gestaltete schöne Urkunde, da es für 65 Jahre keine offizielle Auszeichnung gibt, erst wieder bei 70 Jahren. Theurer lobte und dankte allen drei Geehrten für ihre Treue und Bereitschaft im Dienst des Herrn mitzuwirken und sich musikalisch einzusetzen.

 

In einer Bearbeitung des Dirigenten Ewald Haag erklang anschließend keine Blasmusik, sondern „Bläser singen“ stand im Programm, wurde gemeinsam mehrstimmig das sehr schöne Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ vorgetragen.

 

Nach dem Gebet, dem gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis und dem Vaterunser erklang das Gemeindelied „Sei behütet auf allen Wegen“, sowie nach dem Segen das Tongemälde „Die zehn Gebote“, eine Komposition von Michael Kunze, in einem Bläsersatz von Heiko Kremers. Allen Mitwirkenden, den Bläserinnen und Bläsern, dem Dirigenten, dem Organisten und allen, die diese Posaunenfeierstunde vorbereitet hatten und schließlich durchführten, dankte Pfarrer Gottfried Löffler besonders, schließlich gehöre die Posaunenfeierstunde zu den besonderen Höhepunkten der Evangelischen Kirchengemeinde Wildbad.

 

 

Text und Fotos: Bechtle

 

 

Flüchtiges Glück – eine hochinteressante Ausstellung

Klaus Mack, Hubertus Welt, Marina Lahmann und Gottfried Löffler vor dem Banner mit dem Lebensweg von Isidor David

Die Schülerinnen Johanna Schade (l) und Alina Höfflin (r) umrahmten die Ausstellungseröffnung mit hebräischen Liedern

Gerhard Fischer aus Bad Wildbad vor dem Banner über das „Befreiungsgespräch“ im Wildbader Hotel Post

Eine hochinteressante Ausstellung mit dem Titel „Flüchtiges Glück“ in der Bad Wildbader Stadtkirche gibt nicht nur einen Blick auf ein außergewöhnliches Ereignis im untergehenden Dritten Reich, sondern zeigt die Perfidie des nationalsozialistischen Systems gegen alle, die nicht in den Rassenwahn des Diktators Hitlers und seiner Konsorten passten.

Das „außergewöhnliche Ereignis“ war der Rettungszug mit rund 1200 jüdischen Menschen aus dem Ghetto Theresienstadt, die vom „Orthodoxen Rabbinerverband in den USA und Kanada“ für fünf Millionen Schweizer Franken „freigekauft“ worden waren und im Februar 1945 per Bahn von Theresienstadt über Eger, Nürnberg und Konstanz nach St. Gallen in die Schweiz transportiert wurden und damit dem sicheren Tod in den Vernichtungslagern entkamen.

Dass die Kurstadt Wildbad damit etwas zu tun hat, wurde bereits vor elf Jahren durch den Calmbacher Heimatforscher Fritz Barth in seinem Buch „Hoffnung, Krieg, Not“ dokumentiert.

 

Die Ausstellungseröffnung „Flüchtiges Glück“ in der Stadtkirche am Freitagabend wurde mit hebräischen Liedern der Hoffnung und des Dankes eröffnet. Alina Höfflin und Johanna Schade, begleitet von Marcus Deggelmann am Klavier, gestalteten diese musikalische Umrahmung eindrucksvoll mit klaren schönen Stimmen.

„Die Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger ist eines der dunkeln Themen unserer Geschichte“, meinte Pfarrer Gottfried Löffler in seiner Ansprache. Die Freiheit, die wir heute als Selbstverständlichkeit betrachten, habe es damals nicht gegeben, und so sei diese Ausstellung eine wichtige Erinnerung und Mahnung.

Bürgermeister Klaus Mack dankte der Projektgruppe „Spurensuche“, einem übergreifenden Zusammenschluss von Institutionen, Vereinen, Schulen und Einzelpersonen, die ihre Kräfte, ihr Wissen ihre Kompetenzen und Kontakte nutzten und bündelten, um eine solche Veranstaltung zu gestalten. Man sehe dabei, dass Geschichte die Menschen bewege, und dies auch etwas mit Wildbad zu tun habe. Geschichte rage immer in die Gegenwart herein, was zum Verständnis sehr wichtig sei.

„Wie stehen wir heute zu Menschen, die „Anders“ sind, aus Not, Lebensangst und Verfolgung zu uns flüchten?“, fragte Hubertus Welt, Vorsitzender des Vereins „Menschen miteinander, Interkultureller Garten“, einer der Kooperationspartner der AG Spurensuche. Welt weiter: „Wie müssen aus den damaligen Vorkommnissen für die Jetzt-Zeit lernen und Schlüsse ziehen. Und nicht endlich zu vergessen, wie mancher es wünscht, sondern bewusst hinzusehen und in Erinnerung zu halten.“ Abschließend dankte er allen, die beim Aufbau der Ausstellung mitgeholfen hatten.

Einen ausführlichen sehr interessanten Überblick über die damaligen Ereignisse gab Dr. Marina Lahmann von der Stadtverwaltung zuständig für Stadtmarketing, Museum und Archiv, die ebenfalls in der Projektgruppe Spurensuche aktiv ist. Die Ausstellung, so Lahmann, sei vor vier Jahren erstmals in der Schweiz gezeigt worden, wo sie von der Pädagogischen Hochschule St. Gallen wissenschaftlich erarbeitet worden war. Sie berichte von den Hintergründen und den Drahtziehern dieser Aktion, stelle einige der befreiten Menschen vor und vermittle auf Fotos die ersten Tage der Geretteten in St. Gallen.

Der Befreiung aus Theresienstadt gingen verschiedene Verhandlungstreffen voraus, wovon eines am 15. Januar 1945 in Wildbad stattfand. An der Wildbader Verhandlung waren beteiligt: Jean-Marie Musy, Mitglied des Schweizer Bundesrats, ehem. Schweizer Bundespräsident, Walter Schellenberg, SS-Brigadeführer und „oberster Geheimdienstler“ der Nationalsozialisten sowie Heinrich Himmler, Chef der SS, der Polizei, des Inlandsgeheimdienstes, der Gestapo und der Konzentrationslager, Innenminister, Befehlshaber des Ersatzheeres, und damit „zweiter Mann im Dritten Reich!“ Bereits vor dem Wildbader Treffen über mögliche Rettungsmaßnahmen von Jüdinnen und Juden waren verschiedene Gespräche durchgeführt worden, auch nach der Begegnung in Wildbad gab es weitere Verhandlungen.

In einer zweiseitigen Niederschrift aus dem Bundessarchiv über das Wildbader Treffen, so Lahmann, entnimmt man, dass Himmler, mit einem Sonderzug von Triberg kommend, bis Forbach-Gausbach fuhr, und von dort mit dem Auto abends nach Wildbad gelangte, wo er im Hotel Post mit Musy und Schellenberg zusammentraf. In dieser Besprechung hielt Himmler an seinem Standpunkt in der Judenfrage fest, dass die Juden bei einem Freikauf durchaus in die Schweiz ausreisen dürften, um nach Amerika weiterzureisen. Außerdem müsse jeder Auswanderer dem deutschen Machtbereich 1000 Dollar hinterlegen, die in Form von Fahrzeugen und Maschinen „bezahlt“ werden sollten. Die Verhandlung in Wildbad, so Lahmann, dauerte etwa 1½ Stunden, danach fuhr Himmler mit Schellenberg zurück nach Gausbach.

Nach weiteren Verhandlungen an anderen Orten kam es dann am 5. Februar 1945 in zwei Zügen mit 17 komfortablen Personenwagen zum Befreiungstransport von 1200 Menschen aus Theresienstadt in die Schweiz, wo diese am Nachmittag des 7. Februar 1945 in St. Gallen eintrafen.

„Flüchtiges Glück“ nennt sich die bis Anfang August zu besichtigende Ausstellung gibt auf vielen Bannern einen Einblick in das Leben der jüdischen Deportierten in Theresienstadt, die Stadt, die als Wartesaal zur Hölle Auschwitz und Treblinka bezeichnet wurde. Weitere Banner berichten über das Leben im St. Gallener Schulhaus Hadwig, wo die Freigekauften vor ihrer „Weiterreise“ medizinisch untersucht und untergebracht wurden. „Flüchtiges Glück“ nennt sich diese Ausstellung auch, weil die Schweizer Flüchtlingspolitik ab 1936 äußerst restriktiv war. Während des 2. Weltkrieg wurden 21.000 jüdische Flüchtling aufgenommen, 24.000 wurden an der deutsch-schweizerischen Grenze zurückgewiesen. Auch die Geretteten sollten nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz als Transitland in andere Länder, vor allem USA, weiterreisen

Ein Banner berichtet über das Leben von Pavel Hoffmann (geb. 1939 in Prag), der im vergangenen Jahr vor Wildbader Schülern sein Schicksal darstellte. Er gehörte zu den „Reisenden“ im Flüchtlingszug nach St. Gallen. Über dieses Ereignis kann er allerdings nichts aussagen: „Die Schweiz und St. Gallen sind für mich wirklich total dunkel!“ Hoffmann kehrte nach Kriegsende nach Prag zurück, wo er aufwuchs und studierte. Im Prager Frühling 1968 verließ er seine Heimatstadt und lebt seither in Deutschland.

Die Ausstellung wurde ergänzt durch vier Biografien von Häftlingen, auch aus unserer Region, die zuletzt im Horber Stadtteil Rexingen gewohnt hatten, bevor sie nach Theresienstadt deportiert worden waren: Bella Schmal aus Ludwigsburg, Rosa Kirchheimer aus Heilbronn, Ina Rothschild aus Höchst und Isidor David aus Gambsheim. Sie machen deutlich, welcher Willkür die Juden damals ausgesetzt waren.

Zahlreiche großformatige Schwarz-Weiß-Fotos von Walter Scheiwiller ergänzen die Ausstellung und zeigen die ersten Tage der Flüchtlinge in der Schweiz, vor ihrer Weiterreise in andere Länder.

Die Ausstellung in der Stadtkirche ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Text und Fotos: Bechtle

 

Sinti und Roma - Geschichte einer Ausgrenzung

Sintiza Renate Melis, Tobias Götz und Dr. Andreas Hoffmann-Richter nach dem Vortrag über Sinti und Roma, die Geschichte einer Ausgrenzung (von links)

Es ist kaum bekannt, dass es in Deutschland sog. „nationale Minderheiten“ gibt, die unter die „Bestimmungen des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarats“ fallen. Vom „Volk der Sorben“ in Brandenburg und Sachsen hörte man nach der Wiedervereinigung. Weitere staatlich anerkannte Minderheiten sind die „Friesische Volksgruppe“ (vor allem in Niedersachen), die „Dänische Minderheit“ (in Schleswig-Holstein) und die „Sinti und Roma“, die vor allem in größeren Städten wohnen.

Gerade die letztgenannte Minderheit, die Zahl der Angehörigen heute schwankt zwischen 80.000 und 120.000 Menschen in Deutschland, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet, und die Überlebenden wurden auch nach dem Krieg weiterhin ausgegrenzt.

Die Evangelische Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald hatte zu einer Veranstaltung im Ludwig-Hofacker-Haus eingeladen, um die Erfahrungen und das Leben dieser Menschen nach Krieg, Vernichtung und Vertreibung aufzuzeigen.

Referent war der „Kirchliche Beauftragte für die Zusammenarbeit mit Sinti und Roma in Baden-Württemberg“, Pfarrer Dr. Andreas Hoffmann-Richter. Zum Verständnis: hier arbeiten sowohl die Evangelischen Kirchen in Baden und in Württemberg als auch die katholischen Diözesen Freiburg und Rottenburg-Stuttgart zusammen.

Hoffmann-Richter arbeitet seit zwanzig Jahren in diesem Arbeitskreis, um den Sinti und Roma auf Augenhöhe zu begegnen und sie zu verstehen. Dabei sollen vor allem alte Vorurteile gegen Sinti und Roma abgebaut werden. Als „Sinti“ bezeichnet man die Roma, welche die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, in Baden-Württemberg sind dies etwa 13.000 Menschen.

Zum Erstaunen der Zuhörer stellte sich eine junge Frau als „Sinti“ vor, Renate Melis, die keineswegs durch ihre manchmal erschütternden Aussagen und Berichte den oft gehegten falschen Vorurteilen entsprach.

In einem einleitenden Filmstreifen, in dem Menschen auf der Straße zum Thema Sinti befragt worden waren, zeigte sich die große Unkenntnis zu dieser nationalen Minderheit, die seit dem 14. Jahrhundert in Deutschland und in Europa lebt.

Die leidvolle Geschichte der Sinti, deren ursprüngliche Herkunft wahrscheinlich Indien war, vor allem im 16.-18. Jahrhundert, zeigte anschließend Hoffmann-Richter im Wechsel mit Renate Melis auf. Da die Sinti in keine Zünfte aufgenommen wurden, blieben ihnen als berufliche Nischen Künstler, Musiker, Händler, Hausierer sowie Handwerker auf dem Land, der Reparaturen   bei den Bauern durchführte, sozusagen Wandergewerbe betrieben.

Deutsch, so Renate Melis, sei ihre Heimatsprache, Romanes, die Sprache der Sinti, dagegen ihre Muttersprache. Die Kultur wurde innerhalb der Familie gepflegt, deshalb bestehe auch noch heute innerhalb der Familien ein großer Zusammenhalt.

Nach 1945 erhielten die Sinti keine Entschädigung und auch keine Wohnungen, deshalb waren sie auf Wohnwagen angewiesen, die sie eigentlich nirgends über längere Zeit abstellen durften. Die momentane Situation ist so, dass bei den Älteren ein niedriger Bildungsstand besteht, da ihnen der Schulbesuch nicht möglich war und sie in den Schulen abgelehnt wurden. So haben nur 44% der Älteren einen Schulabschluss. Da sie als Ungelernte meistens keine Arbeitsplätze bekamen, machten sie sich selbständig, beispielsweise als Fensterputzer, Hausmeister, Gartenarbeiter, Altmetallsammler. Bei der Wohnungssuche wurden sie meist mit den bekannten Vorureilen abgelehnt.

Erst 1974, nach einem Hungerstreik der Sinti im früheren KZ Dachau, wurden ihnen in Baden-Württemberg einzelne Rechte und 2013 in einem Staatsvertrag alle Rechte zuerkannt.

In einer Aussprache mit den Zuhörern des Vortrags wurde festgestellt, dass die Kriminalitätsrate nicht höher sei wie bei „deutschen“ Menschen, dagegen die Bettler, die sich beispielsweise in Pforzheim aufhalten weder Sinti noch Roma sind, sondern Rumänen, die hier zur sog. Bettlermafia gehören. Interessant ist, dass es den Sinti in der DDR besser ging, als nach der Wende im Westen. Auch heute gebe es noch Ausgrenzungen vor allem von sog. „völkischen Bewegungen“ im Sinne „Mit denen wollen wir nichts zu tun haben!“ Oft ist es heute noch so, dass die Kollegen von berufstätigen Sinti deren „Nationalität“ nicht wissen, da diese befürchten, dadurch Nachteile zu haben.

Das 1994 vom Ministerkomitee des Europarats beschlossene und 1997 von der Bundesregierung ratifizierte Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten sieht vor: Schutz vor Diskriminierung, Bewahrung der eigenen Sprache, Gewährung der Religionsfreiheit und aller Grundrechte. Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, wurde unter besonderen Schutz gestellt. Außerdem verpflichten sich die Länder ergänzenden muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen, wenn genügend Kinder dies wünschen.

Tobias Götz, Geschäftsführer der Evang. Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald, dankte abschließend den beiden Referenten für die Offenheit, die vor allem bei Renate Melis in ihren zum Teil sehr intimen familiären Berichten deutlich wurde, und überreichte jedem eine heimische Konfitüre.

 

Text und Foto: Bechtle

Herrscherin über 1.768 Pfeifen

Seit April gibt Regina Böpple in der evangelischen Kantorei den Ton an

Die Orgel, über deren Tasten Regina Böpples zarte Finger gleiten, hat sage und schreibe 1.768 Pfeifen und wurde 1989 erbaut.

Zu dieser Zeit war die 27-Jährige noch nicht einmal auf der Welt. Böpple ist im Landkreis Reutlingen aufgewachsen und hat nach dem Abitur Kirchenmusik in Tübingen und Mainz studiert. Im vergangenen Jahr hat sie in Münsingen auf der Schwäbischen Alb das einjährige Pflichtpraktikum der Württembergischen Landeskirche absolviert. Seit April ist die Kirchenmusikerin nun Kantorin in Bad Wildbad.

„lch wollte nicht weiter als 100 Kilometer von zu Hause weg, weil ich den Bezug nicht abbrechen lassen wollte und das aus der Ferne nicht ganz so leicht ist“, erklärt die 27-Jährige. In Bad Wildbad habe sie nun »etwas Abstand« und könne trotzdem »schnell mal« nach Hause fahren. Doch bis sie die Zusage bekommen hat, war es kein leichter Weg. Über mehrere Gespräche, Orgelspiel und Chorleitung musste sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen. Aktuell habe sie als Wildbader Kantorin nun eine 65-Prozent-Stelle mit »Aussicht auf mehr«, verrät Böpple. Denn über kurz oder lang sei es vereinbartes Ziel, dass die Kirchenmusikerin einen Kinderchor in Bad Wildbad gründet.

Als Kantorin ist Böpple nun für die Leitung der evangelischen Kantorei und die musikalische Begleitung von Gottesdiensten, Beerdigungen, Trauungen und Taufen zuständig. Außerdem soll die 27-Jährige eine noch zu gestaltende Konzertreihe mit sechs Veranstaltungen im Jahr organisieren. Zu Böpples Aufgabengebiet gehört zudem das Singen im Kindergarten. „Wir wollen Kinder möglichst früh an die Musik heranführen, damit sie einen Bezug zur Materie bekommen“, erklärt die Kirchenmusikerin. Der Dialog mit den Kindern könne ihr später auch helfen, wenn sie den Kinderchor gründet: „Das ist sehr personenabhängig, daher ist das wichtig, dass die Kinder mich kennenlernen.“ Unabhängig von ihrer Tätigkeit als Kantorin wird Böpple ab Mai auch den Höfener Frauenchor leiten.

Geregelte Arbeitszeiten hat die 27-Jährige nicht: „Das ist sehr unterschiedlich in der Verteilung. In dieser Hinsicht bin ich mein eigener Chef.“ Nur Termine wie Chorproben, Gottesdienste oder Dienstbesprechungen stünden fest. In allem anderen sei die Kantorin frei – „mit allen Vor- und Nachteilen“. Doch das sei auch einer der Gründe gewesen, warum sie sich für die Stelle in Wildbad entschieden habe: „lch kann hier mein eigenes Profil setzen. Hier gibt es keine starren Strukturen, die man nur schwer verändern kann.“ Außerdem fühle sich Böpple in einer kleineren Stadt wohl: „Mir fällt es leichter, mich in einem kleineren Ort einzuleben.“ Und ihr Job dürfte dabei auch helfen.

Deswegen sei sie auch gerne nach Bad Wildbad gezogen. „Das war von den Leuten hier gewünscht, aber ich selbst wollte das auch, um vor Ort verfügbar zu sein.“ Bislang sei sie auch sehr herzlich aufgenommen worden. „lch glaube, die Leute freuen sich, dass jetzt wieder jemand Hauptamtliches da ist, der den Laden organisiert und gestaltet.“ Zuvor war das Amt nach dem Weggang von Susanne Fuierer ein halbes Jahr vakant - so lange hatte man auf Böpple gewartet, die zunächst ihr Praktikum auf der Schwäbischen Alb vollenden musste.

„Jetzt ist alles wieder in einer Hand, das erleichtert einfach die Wege“, so die 27-Jährige, deren persönliche Vorliebe auf den Tasten liegt. Bei ihrer Wahl habe auch die Ausstattung eine wichtige Rolle gespielt. „Man muss sich in dem Kirchengebäude wohlfühlen. Wenn man sich nicht wohlfühlt, ist es schwierig.“

Zwar sei in Wildbad alles recht beschaulich, aber das, was da ist, gefällt der Kirchenmusikerin sehr gut - auch die Orgel habe einen tollen Klang. Nun möchte Böpple ankommen und der Stelle ein Profil geben: „Hier in Wildbad gibt es so viele hochwertige, kulturelle Angebote – da ist es wichtig, der Kirchenmusik ein Gesicht zu gehen.“ Wer weiß, vielleicht kann die 27-jährige Kirchenmusikerin ja wieder mehr Leute für Orgelmusik begeistern.

 

Bild und Text: Christoph Jänsch, Schwarzwälder-Bote

Beeindruckender Gospelabend

Einen beeindruckenden Gospelabend gestaltete zusammen mit den Geistlichen des Oberen Enztals der Musikpädagoge und Gospelsänger Cornelius Beck aus Tübingen.

„Licht leuchtet auf“ war das Thema eines Gospelabends in der evangelischen Kirche in Enzklösterle an Epiphanias, dem „Fest der Erscheinung des Herrn“ oder allgemein bekannt als „Dreikönigstag.“ Es waren allerdings keine Könige, sondern Weise (Sterndeuter), denen das seltsam aufleuchtende Gestirn am Himmel aufgefallen war, die sich deshalb auf den Weg nach Jerusalem machten und schließlich nach Betlehem kamen, um dem neuen König der Juden zu huldigen. Ein großer Stern an der Kanzel der Kirche in Enzklösterle verdeutlichte dies, eine wunderschöne Krippe unter dem Weihnachtsbaum zeigte die „Weisen aus dem Morgenland“ nahe der Krippe.

Eingeladen zu diesem Gospelabend hatten die evangelischen Kirchengemeinden im Oberen Enztal mit den Geistlichen Martin Kohnle (Enzklösterle), Gottfried Löffler (Wildbad), Dr. André Bohnet (Calmbach) und John-André Soevde (Höfen).

Den Gospelabend gestaltete Cornelius Beck aus Tübingen. Beck studierte nach seiner Schulzeit Gesang und Populärmusik in Berlin, war anschließend jahrelang im In- und Ausland als Sänger, Musicaldarsteller, Studiomusiker, Pianist und Arrangeur unterwegs, dann sieben Jahre im Musikverlag Hänssler tätig und unterrichtet seit 2011 als Gesangspädagoge mit großem Erfolg in der eigenen Musikschule bei Tübingen im Bereich Gesangsunterricht, Stimmbildung im Chor, Klavierunterricht, Sprecherziehung und Rhetoriktraining. Außerdem leitet er erfolgreich den Soul- und Gospelchor Tübingen. Gospel ist eine christliche afroamerikanische Stilrichtung des Gesangs, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Negro Spiritual sowie Elementen des Blues und Jazz entwickelt hat.

In Enzklösterle eröffnete Beck den musikalischen Part mit dem hoffnungsvollen Song „If I got my ticket“ und „Come closer to me“, wobei er alle Gospelsongs selbst auf dem E-Piano begleitete.

„Can nobody love you“, melodisch Beethovens Schlusslied aus der neunten Sinfonie nachempfunden, „Why should I?“, das bekannte „You raise me up“ und „Just in the Lord“ waren weitere Gospeltitel, die Cornelius Beck mit geschulter sehr schöner Stimme und rhythmischer Betonung erklingen ließ. Dazwischen eingeschoben wurden nach der Begrüßung durch Martin Kohnle die Lesung zu Matthäus 2, 1-12, durch Gottfried Löffler, der entsprechende Impuls zu dieser Bibelstelle durch Dr. André Bohnet und schließlich Gebet und Vaterunser durch John-André Soevde.

Gemeinsam mit den Besuchern wurde das Lied „Der Herr segne dich schon jetzt“ erlernt, das mehrfach zwischen den Gospelvorträgen wiederholt wurde. Ein deutschsprachiger Titel. komponiert von Cornelius Beck, war der Gospelsong „Mein Grund zur Freude“, der „durch die Haut geht“ wie Martin Kohnle betonte. Die Gospels der ehemaligen Negersklaven in den USA gaben ihnen die Hoffnung auf Freiheit und die Kraft ihr Schicksal zu ertragen. Um mit schwierigen Situationen fertig zu werden, so Kohnle, bleibe nur der Schritt nach vorne, um Gottes Eingreifen zu erleben, denn „wenn Gott uns ansieht, dann wird es hell.“

 

Text und Foto: Bechtle

 

 

Gottfried Löffler jetzt auch Pfarrer in Aichelberg

Pfarrer- und Kirchenbezirkswechsel für die evangelische Kirchengemeinde Aichelberg. Auf unserem Bild von links der zweite Aichelberger Kirchen-gemeinderatsvorsitzende Martin Nonnenmann, Esther und Pfarrer Gottfried Löffler (Bad Wildbad), Dekan Joachim Botzenhardt (Neuenbürg) und der zweite Bad Wildbader Kirchengemeinderatsvorsitzende Hans Volz nach der Verpflichtung von Gottfried Löffler auch als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Aichelberg.

Der Kirchenchor unter der Leitung von Martin Nonnenmann gestaltete den musikalischen Teil des festlichen Gottesdienstes in der Aichelberger Kirche mit Liedern aus dem Gesangbuch "Neue Lieder plus".

Nicht nur zu einer außergewöhnlichen Tageszeit, sondern auch zu einem außergewöhnlichen Anlass haben die Glocken der evangelischen Kirche in Aichelberg am Neujahrstag um 16 Uhr in die Kirche eingeladen: Zur Amtseinführung und Verpflichtung des langjährigen geschäftsführenden Bad Wildbader Pfarrers Gottfried Löffler auch als neuer Aichelberger Pfarrer, verbunden mit dem Wechsel der Kirchengemeinde Aichelberg vom Calwer in den Neuenbürger Kirchenbezirk.

Das war auch der Grund für die Präsenz des Neuenbürger Dekans Joachim Botzenhardt bei diesem vom Kirchenchor unter der Leitung von Martin Nonnenmann mitgestalteten und am E-Piano von ihm begleiteten besonderen Gottesdienst. Sei die Aufhebung der Aichelberger Pfarrstelle auch schmerzlich gewesen, freue er sich auf die neue Zusammenarbeit, führte Pfarrer Löffler in seinem Grußwort zu Beginn des Gottesdienstes aus. An der Schwelle zum Neuen Jahr gelte es, den Blick nach oberen zu richten mit der Bitte um Gottes Segen zum Abschied und für den Neubeginn.

Mir der Meereshöhe von 785 Metern am Kirchenstandort und damit 60 Meter über dem Wildbader Sommerberg liegend sei die evangelische Kirchengemeinde Aichelberg mit ihren 246 Gemeindegliedern die höchstgelegene im Kirchenbezirk Neuenbürg, war von Dekan Botzenhardt zu hören. Für die Kirchengemeinde Aichelberg sei dieser Jahreswechsel ein ganz besonderer gewesen. Vorgegeben vom Pfarrplan 2018 der evangelischen Landeskirche in Württemberg mit einer Reduzierung der Pfarrstellen aufgrund eines Rückgangs der Zahl der Gemeindeglieder. Seine Predigt stellte Dekan Botzenhardt unter Bibelworte aus Josua 1, Verse 1 -9.und zog dabei unter dem Leitwort "Seid getrost und unverzagt" Parallelen zur neuen Situation der Kirchengemeinde Aichelberg. "Jede Kirchengemeinde wird einen Pfarrer haben", versicherte Dekan Bozenhardt. So sah er jetzt auch den Abschied von  Dr. Gerhard Schäberle-Koenigs zum 31. Dezember 2018 und den Neuanfang von Pfarrer Gottfried Löffler, der in Aichelberg ja kein Unbekannter sei. Schon bisher bestehe eine gewisse Zusammenarbeit zwischen  den Kirchengemeinden Bad Wildbad und Aichelberg beispielsweise mit der gemeinsamen Kirchenpflege und mit dem Posaunenchor.

"Jetzt haben Sie mich und ich habe Sie", begann Pfarrer Löffler seine Vorstellung und ging dabei ebenfalls auf die schon bisher praktizierte Zusammenarbeit wie etwa im Bereich der Diakoniestation ein. Eine weitere Verbindung sah er auf schulischer Ebene. In seinen weiteren Ausführungen schilderte er seinen beruflichen Weg bis zu seiner jetzigen Dienstzeit mit rund 21 Jahren als geschäftsführender Bad Wildbader Pfarrer. Die Frage des Dekans nach der Annahme von Gottfried Löffler als neuen Pfarrer bekräftigten die um den Altar versammelten Aichelberger Kirchengemeinderäte mit ihrem "Ja", worauf Dekan Botzenhardt die Verpflichtung des Bad Wildbader Pfarrers auch für die Kirchengemeinde Aichelberg vornahm. Einer Geschenkübergabe folgten die Zeugenworte der zweiten Kirchengemeinderats-Vorsitzenden Hans Volz (Bad Wildbad) und Martin Nonnenmann (Aichelberg). Drei die Bad Wildbader und Aichelberger Gemeindeglieder bewegende Fragen formulierte Hans Volz: Für Bad Wildbad "Bleibt genug von Pfarrer Löffler für uns übrig?", für Aichelberg "Kommt da genug Pfarrer Löffler zu uns?" und für den Pfarrer selbst "Habe ich genug Kraft für beide?" Und zwar mit der Antwort von Hans Volz: "Lieber Pfarrer Löffler, ich kenne Sie nun lange genug um zu wissen, dass Sie sich dieser Aufgabe mit all ihren Kräften und Gaben widmen werden". Die seinen weiteren Ausführungen zufolge vielleicht noch fehlende kleine Portion Mut sprach Hans Volz Pfarrer Löffler mit einem Bibelwort aus 2. Mose 3, Vers 12 zu. Mit der Zusicherung von Gott an Mose: "Ich will mit Dir sein". Martin Nonnenmann brachte die topographische Lage Aichelbergs auf den Bergen in Bezug zum Psalm 121 und sicherte Pfarrer Löffler seine volle Unterstützung zu.

Dem festlichen Gottesdienst schloss sich ein Ständerling in der Kirche an, bei dem die Gottesdienstbesucher die Gelegenheit hatten, Dekan Botzenhardt und Pfarrer Löffler im persönlichen Gespräch näher kennen zu lernen.

 

Text und Foto: Heinz Ziegelbauer