Herzlich willkommen bei der evangelischen Kirchengemeinde Bad Wildbad

Aktion "Hoffnung für Osteuropa"

Neu erfunden - ein König der Liebe

In diesen Tagen taucht in Gesprächen immer wieder ein Satz auf: Wir müssen uns neu erfinden: Verwaltungen sind für den Besucherverkehr geschlossen und so müssen neue Wege gefunden werden, dennoch für die Bürger da zu sein. Gesellschaftliche Veranstaltungen können nicht stattfinden; da braucht es neue Ideen gegen Vereinzelung und Vereinsamung.

Ja, und auch unsere Gemeindeveranstaltungen pausieren. Von der Krabbelgruppe über die Jungschar bis hin zur Kantorei und den Gottesdiensten. Und obwohl letztere im Grunde weit davon entfernt waren, dass die Kirchen wegen Überfüllung geschlossen werden müssten, macht sich an ihnen nun in besonderer Weise die Frage fest, wie Gemeinde Gemeinde bleiben kann, wenn sie sich nicht treffen kann.

Manches lässt sich ins Internet verlagern, Livestream-Gottesdienste und Youtube; Impulse wie dieser in gedruckter Art. Die Sehnsucht nach gelebter Gemeinschaft – face to face – bleibt hoffentlich in uns allen erhalten.

Sich neu erfinden müssen – ist im Grunde nichts Neues. Damit sind wir ständig beschäftigt. Bei jedem Übergang in eine neue Lebensphase, in jeder Krisensituation. Viele von uns haben persönlich schon weit schlimmere Krisen erlebt. Neu ist die Gleichzeitigkeit, weil die Coronakrise uns alle unmittelbar betrifft. Jeden von uns ohne Ausnahme.

Freilich in ganz unterschiedlicher Weise: Die einen bangen um ihren Arbeitsplatz, die anderen arbeiten bis an und manchmal über die Grenzen hinaus. Manchen fällt die Decke auf den Kopf und andere atmen auf, weil vieles langsamer läuft. Der eine genießt die vermehrte Zeit mit den Kindern, und bei anderen tun sich Fragen und Abgründe auf.

Ganz unterschiedliche Erwartungshaltungen ergeben sich daraus, ganz unterschiedliche Wünsche und Sehnsüchte werden formuliert.

Wir feiern heute Palmsonntag, den Einzug Jesu in Jerusalem. Und finden uns wieder in einer Situation, die der unseren nicht ganz unähnlich ist.

Die Evangelien berichten, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einreitet, dem Reit- und Arbeitstier des kleinen Mannes. Menschenmassen säumen den Weg. Von den Bäumen werden Zweige abgeschlagen und in den Straßenstaub gelegt. Manche nahmen sogar ihren Umhang oder ein anderes Kleidungsstück und legten es als Teppich vor Jesu Füße.

Und mit jedem Zweig und mit jedem Kleidungsstück auch ihre Erwartung, ihre Wünsche und Sehnsüchte.

Jesus wird gefeiert als der, der die Lösung bringt. Für alles Sehnen und Klagen, für alle ungelösten Fragen.

Hosianna! Gepriesen sei der König, der im Auftrag des Herrn kommt! Gott hat Frieden mit uns geschlossen. Lob und Ehre sei Gott hoch im Himmel!

Ein beeindruckende Szene. Die sich aber schon bald danach ins Gegenteil wandelt. Dieselben Menschen, die eben noch Jesus zujubelten, grölen in aufgeheizter Stimmung: Kreuzige ihn.

Jesus – bejubelt und fallen gelassen. Weil er nicht für alles eine Antwort parat hatte. Weil er nicht die Antworten geliefert hat, die man hören wollte. Das Leid in der Welt und im persönlichen Leben ist nicht verschwunden. Die Strafe Gottes (so deuten manche die Schicksalsschläge des Lebens) trifft unterschiedslos jede und jeden.

Und so wenden sich die Menschen ab. Beginnen wieder von vorne mit ihrer Suche nach dem passenderen Heilsbringer.

Und verpassen dabei vielleicht die eine Antwort, die zwar nicht alle Fragen beantwortet, aber die Fragen in ein anderes Licht rückt, Prioritäten verändert, neue Perspektiven ermöglicht.

Jesus, der König der Liebe. Angedeutet im Esel. Eben nicht hoch zu Ross. Keiner, der Macht ausübt, sondern einer, der sich nach unten begibt. Und zusagt: Ich bin bei dir.

Du sollst wissen auf all deinen Wegen: Nichts kann dich scheiden von der Liebe Gottes. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn (Römer 8, 38.39).

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich auf freue mich darauf, wenn wir einst wieder gemeinsam im Gottesdienst diese Liebe feiern dürfen.

 

Unser himmlischer Vater

           segne und behüte Sie

 

Pfarrer Gottfried Löffler

Bad Wildbad

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Diakonische Bezirksstelle Neuenbürg

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