Pfarrer Thomas Föll feierlich in sein Amt eingeführt

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Grußwort zur Einführung von Pfarrer Föll

Lieber Herr Föll,

Ihr neuer Arbeitsplatz ist jetzt also in Kliniken angesiedelt. Der Begriff Klinik so möchte man meinen, ist der modernere Ausdruck für Krankenhaus. Dies ist nur bedingt richtig. Denn der Begriff Klinik verdankt sich einem uralten griechischen Wort, klinomai. Ein buchstäblicher passiver Begriff. Denn klinomai meint niedergelegt werden.

Klinken sind also Liegehäuser, Liegehäuser in den Menschen sich niederlegen und niedergelegt werden. Sich Niederlegen kann verschiede Bedeutungen annehmen. Es kann lustvoll sein, was in der Klink sicherlich nicht der Fall ist. Liegen kann Zeit verlängern und gar zum Stillstand bringen, was durchaus in der Klink der Fall ist. Plötzlich haben Menschen Zeit, ja sie werden geradezu zum Zeithaben gezwungen. Auch das ist, aus verschiedenen Gründen nicht immer angenehm. zumal unsere gegenwärtige Kultur, auch die Kultur der Kliniken, auf Zeitverkürzung aus ist. Wie lange kann ein Wochenende sein, wenn am Freitag die Untersuchungen stattfinden und man und frau bis zum Montag auf das Ergebnis warten muss.

Trotz gegenläufiger Beteuerungen scheut unsere Zeit das Zeithaben, besonders dann, wenn es in der Niederlage geschieht. In der Klink stehen alle Menschen um die Niedergelegten herum. Es entsteht dabei natürlicherweise und in der Tat oft notwendigerweise ein Gefälle, das oft gar nicht bewusst, eigentlich oft auch nicht aufgehoben werden kann. Ist solches Gefälle grundsätzlich unumgänglich ?

Wie kann es gelingen,  mit einem Menschen in der Niederlage auf Augen-Höhe zu kommen?

Ich stelle mir vor, dass ein Klinikseelsorger solches leisten kann und leisten können sollte. Denn auch er hat Zeit. Zeit zum sich zu setzen, sicherlich nicht auf die Bettkante. Gerade nicht. Aber Zeit um sich so zu setzen, dass Augen-Höhe mit dem Menschen in der Niederlage möglich ist.

 Warum Augenhöhe? Im Hebräischen, der Sprache der Engel, wie ein Professor des Alten Testamentes es einmal wendete, im Hebräischen ist das Wort für Auge und Quelle, dasselbe ( ajin). Augen können Quellen, Quellen des Lebens sein, besonders dann, wenn sie sich in gleicher Höhe begegnen.

Der Segen der Augenhöhe.

Wir merken, es dreht sich nicht nur um ein geometrisches Problem. Ein kranker Mensch in der Niederlage erlebt möglicherweise sein eigenes Kranksein tatsächlich als Niederlage. Denn Krank-Sein ist  in einer Gesellschaft der Leistungsstarken, der Vitalen, der stets Gesunden ein Makel. Manche Menschen schämen sich, weil sie krank sind, obwohl sie an ihrem Kranksein nicht schuldig sind. Scham ist eine ungeheuerliche Macht, auch deshalb, weil sie ihr Unwesen im Verborgenen treibt.

Liebende Augen, Augen die Quellen des Auferstanden sind, kennen Leiden und sie stehen zu Leiden, weil auch er, Christus zu seinen Leiden steht. Seine Jünger erkennen ihn an seinen Wundmalen. Und er zeigt ihnen seine Wunden, nicht schamlos, aber ungeniert.

So wünsche ich Ihnen Herr Föll, dass sie ein lebendiger Zeuge des Auferstandenen, der Menschen zum Aufstehen bewegen kann sein können und wollen. Und dass durch sie hindurchströme die Quelle des lebendigen Wassers.

 Gert Murr, Pastoralseelsorger