Es gbt Nächstenliebe ohne Vorbehalt

Die Helferinnen des Hospizdienstes Oberes Enztal verabschiedeten mit Rosen die Gründerin dieser Einrichtung, Kristine Bürk.

Pfarrer Gottfried Löffler verpflichtete Irmlinde Schaudi als neue Koordinatorin des Hospizdienstes.

Die Helferinnen des Hospizdienstes Oberes Enztal verabschiedeten mit Rosen die Gründerin dieser Einrichtung, Kristine Bürk.

Was auf dem Programmzettel zur Verabschiedung von Kristine Bürk als "Stabübergabe" angekündigt worden war, gestaltete sich zu einer bewegenden Feierstunde, die nicht nur bei den Beteiligten mit einigen Wehmutstränen verbunden war.

Im Ludwig-Hofacker-Haus in Bad Wildbad wurde am Samstagnachmittag Kristine Bürk verabschiedet. Sie ist die Gründerin des Hospizdienstes Oberes Enztal und leitete bis zum Jahresende 2017 die ambulante Hospizgruppe zur Begleitung schwerstkranker sterbender Menschen und deren Angehörigen zwölf Jahre lang.

Die in der Hospizgruppe tätigen "Helferinnen", viele Freunde, Angehörige von bisher gepflegten Menschen, die Geistlichen des Oberen Enztals, eine Reihe von Ärzten sowie Vertreter der Kommunen waren gekommen, um Bürk für diese Arbeit zu danken, die Pfarrer Gottfried Löffler in seiner Begrüßung als "ihr Kind" bezeichnete.

Eingeleitet und musikalisch umrahmt wurde die "Stabübergabe" von einer Bläsergruppe der Stadtkapelle.

Bürk, so Löffler, habe den Hospizdienst maßgeblich geprägt. Sie führte die Erstgespräche mit den Angehörigen sterbender Menschen, organisierte die regelmäßigen Supervisionen und gemeinsamen Wochenenden der Hospizgruppe, beteiligte sich an Tagungen und Fortbildungen, und ging einmal im Jahr mit Veranstaltungen an die Öffentlichkeit, um so auch die Arbeit der Hospizgruppe nach außen zu tragen.

Bürgermeisterstellvertreter Jochen Borg dankte ihr im Namen der drei Kommunen für die Gründung und das hohe Engagement in dieser selbstlosen und schwierigen Tätigkeit. Borg begrüßte außerdem Irmlinde Schaudi aus Enzklösterle als Nachfolgerin in der Leitung der Hospizgruppe.

Der Dienst der Hospizgruppe, so Pfarrer Thomas Föll, sei unabhängig von Religion, Stand und Weltanschauung. Hier gelte es, die Maxime von Cicely Saunders, der englischen Gründerin der Hospizarbeit wahrzunehmen: "Leben bis zuletzt und die Würde des Sterbenden zu achten." Zwei Phasen des Lebens benötigten besondere Hilfe: die Geburt und das Sterben. Deshalb sei die Tätigkeit der Hospizgruppe ein wichtiger Dienst für die Sterbenden. Wobei als Grundkompetenz hohes Einfühlungsvermögen und entsprechende Lebenseinstellung der Hospizhelfer unumgänglich sei.

Günther Limberg dankte Kristine Bürk im Namen der Ärzteschaft und versicherte: "Gott ist dort, wo Nächstenliebe ohne Vorbehalt gegeben wird." Nächstenliebe sei wie ein Vitamin, den man für sich nicht selbst erzeugen könne, und Liebe mache Mut zur Hilfe für andere.

Sabine Horn ist nicht nur stellvertretende Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbands Baden-Württemberg, sondern auch Nichte von Kristine Bürk. Deshalb fand sie als "Hospizbewegte" sehr persönliche Worte und Gedanken für ihre Tante, der sie für ihre Arbeit dankte. Horn verglich die Hospizarbeit mit einem Stein, der ins Wasser fällt und kreisförmige Wellen schlägt, also etwas bewegt. So sei es auch bei den Hospizhelfern, die Achtsamkeit, Respekt, Wahrhaftigkeit und Offenheit besitzen würden, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Horns besonderer Wunsch an die neue Hospizleiterin Irmlinde Schaudi war, die bisherige enge Verbundenheit untereinander weiterhin zu pflegen.

 

Viele Rosen

"Ich fühle mich wie ein abgeblühter Löwenzahn, von dem alle Schirmchen weggeweht wurden und nur noch der Stängel übrig ist", meinte Kristine Bürk mit etwas Wehmut in der Stimme und dankte allen – vor allem den ehrenamtlichen Helferinnen und deren Familien. Gleichzeitig aber auch den Menschen, die sich ihr beim Sterben anvertraut hätten.

Die Frauen der Hospizgruppe dankten ihrerseits ihrer bisherigen Einsatzleiterin mit einem Gemälde der Künstlerin Gabriele Koenigs, eine Welle darstellend, und vielen Rosen, welche nicht nur Anerkennung, sondern auch hohe Zuneigung ausdrückten.

Es gehe beim Hospizdienst um die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse von Kranken und Sterbenden, aber auch die Bereitschaft loszulassen und zu spüren, dass man nicht alleine sei, betonte Irmlinde Schaudi, die sich anschließend vorstellte.

Sie ist seit Anfang Dezember 2017 als Koordinatorin tätig, als "katholische Fachfrau im ökumenischen Geist", wie sie dies selbst bezeichnete. Schaudis besonderer Gruß und Dank galt allen ehrenamtlichen Helferinnen, ohne die der Hospizdienst nicht auskommen könne.

Die Hospizgruppe ihrerseits begrüßte die neue Einsatzleiterin ebenfalls mit Rosen, Bürk überreichte ihr ein geschnitztes Herz für ihre zukünftige Arbeit für die Kranken und Sterbenden.

Mit der Amtsverpflichtung von Irmlinde Schaudi durch Pfarrer Gottfried Löffler wurde die "Stabübergabe" abgeschlossen.

Beim sich anschließenden Ständerling gab es Gelegenheit zum Gespräch.

von Götz Bechtle