500 Jahre Reformation - Grund zum Feiern, nicht nur für Evangelische

Fast genau zur gleichen Zeit wie der Festgottesdienst zur Reformation in Wittenberg fand in der Stadtkirche Wildbad ein Distriktgottesdienst des oberen Enztals mit viel Musik und Gesang statt. Auch hier war das 500jährige Jubiläum der Reformation der entsprechende Anlass. Fünf Minuten lang läuteten ab 15:12 Uhr die Glocken der Stadtkirche zum Gottesdienst, der pünktlich um 15:17 Uhr begann, entsprechend der Jubiläums-Jahreszahl 1517, das Jahr, in dem Martin Luther seine 95 Thesen zur "Freiheit des Christenmenschen" veröffentlichte.

Den Gottesdienst in der voll besetzten Stadtkirche gestalteten der Posaunenchor Sprollenhaus unter der Leitung von Ewald Haag, und der Chor mit den Sängern und Sängerinnen des Kirchenchors Calmbach und der Kantorei Wildbad, den Angelika Bertsch leitete, An der Orgel und am Klavier musizierte Susanne Fuierer, zum Teil begleitet von Annerose König (Querflöte). Zu hören war außerdem das Duo Tanja Morozova (Klavier) und Joachim Erk (Gitarre und Gesang). Durch den Gottesdienst führte Pfarrer Dr. André Bohnet, zur Reformation passende Impulse und Einfügungen kamen von den anderen Geistlichen des oberen Enztals Thomas Föll, Martin Kohnle, Gottfried Löffler und Angelika Germann.

Um das Besondere des Reformationsfestes hervorzuheben waren Altar und Kanzel mit roten Paramenten versehen, die nur an hohen Fest- und Feiertagen die Kirche schmücken, eine große Gedenkkerze mit der Lutherrose wies auf das Jubiläum hin.

Eingeleitet wurde der rund 90 Minuten währende Distriktgottesdienst vom Posaunenchor Sprollenhaus mit einer Fantasie über eines der bekanntesten Lutherlieder "Ein' feste Burg ist unser Gott," komponiert von Michael Schütz.

Nach dem Eingangslied "Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist," der gemeinsamen Lesung des Psalms 45 und dem Gebet erklang das wunderschöne "Arioso" (Querflöte und Klavier) von Johann Sebastian Bach.

Den ersten reformatorischen Impuls gestaltete Pfarrer Thomas Föll, der Martin Luthers Leben in den Mittelpunkt stellte, dabei Höhen und Tiefen, Himmel und Hölle, Gott und Teufel im Empfinden des Reformators aufzeigte. Auch Luthers Widerspruchsgeist wurde deutlich, da er nicht, wie von seinem Vater gewünscht, Jura studierte, sondern sich der Theologie zuwandte. Gemeinsam erklang von Chor, Gemeinde und Instrument die von J. M. Michel komponierte Liedkantate "Ein' feste Burg", die hinüberführte zu Luthers Leben mit Musik, worüber sich Pfarrer Martin Kohnle Gedanken gemacht hatte. Luther komponierte 20 Melodien und verfasste insgesamt 40 Liedtexte, von denen immerhin 33 im heutigen Kirchengesangbuch enthalten sind. Luthers Aussage dazu: "Musik ist die beste Gottesgabe!" "Ein' feste Burg ist unser Gott," bezeichnete Kohnle sogar als "Marseillaise der Reformation."

Das "Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg" stellte Pfarrer Gottfried Löffler in seinem Impuls vor. Darin wird das Reich Gottes mit einem Hausherrn verglichen, der am Morgen Arbeiter einstellt, um seinen Weinberg zu bewirtschaften. Dass der am Nachmittag zuletzt eingestellte Arbeiter den gleichen Lohn erhält, lässt die anderen murren. Dazu meint jedoch der Weinbergbesitzer, dass er mit seinem Geld umgehen könne, wie er wolle. Das Gleichnis stellt dar, dass bei Gott alle Menschen gleich sind, und man sich nicht Gottes Gnade "erarbeiten" kann. Mit Billy Joels englischem Song "Honesty" (Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit), sehr gefühlvoll mit Klavier, Gitarre und Gesang dargeboten erfolgte die Überleitung zum gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis und der Lutherrose. Pfarrerin Angelika Germann erklärte in ihrem Impuls, wie es zum Siegel der Lutherrose gekommen war. Luther sah die weiße Rose mit schwarzem Kreuz im roten Herz, und diese wiederum im himmelblauen Feld als Merkzeichen seiner "Ideologie," umgeben vom goldfarbenen Ring der Ewigkeit, später noch versehen mit dem Wort "Vivit," was "Er lebt" (Jesus Christus lebt) bedeutet. Mit diesem Siegel versah Luther etwa ab 1530 seine Schriften.

Man könnte es fast einen schwungvollen Schlager nennen, das Lied "Da ist Freiheit" komponiert zum Reformationsjahr 2017 von Hans-Joachim Eißler und Gottfried Heinzmann, der Text in Anlehnung an 2. Korinther 3,17. Untermalt mit Klängen von Gitarre, Cajon und Klavier verstand es der gemeinsame Chor überaus ansprechend, den Inhalt dieses Liedes zu vermitteln. Nach dem Vaterunser und dem Segen erklang abschließend als Orgelmusik "Ein feste Burg" in einem Werk des aus Thüringen stammenden Komponisten Christian Heinrich Rinck (1770-1846).

Dass es zum Ende eines Gottesdienstes Beifall gibt, ist ungewöhnlich, zeigte jedoch, dass die zahlreichen Besucher von diesem Distriktgottesdienst zum Reformationsfest sowohl von den musikalischen Darbietungen der Beteiligten, wie auch von den Impulsen der Geistlichen sehr beeindruckt waren.

Götz Bechtle