Gemeindeforum am 17.02.2009

Hauptamtliche im Dienst der Evangelischen Kirche: Gottfried Löffler, Martin Frieß, Martin Kohnle, Ulrich Hilzinger, Gabriele Koenigs, Werner Trick, Stefan Itzek und Beate Kunz (von links)

Seit Jahrhunderten gibt es in der Evang. Landeskirche Württemberg „Visitationen,“ eine Art Besuch, Überprüfung und Beratung der Kirchengemeinden. Ursprünglich war die Visitation ein wichtiges Instrument der Reformation, um den Pfarrer betreffs der neuen (evangelischen) Lehre zu überprüfen, ob er den Anforderungen des evangelischen Pfarramtes entsprach. Eine Visitation der Kirche und Schule fand früher alljährlich statt. Heute erfolgen die Visitationen der Kirchengemeinden durch den Dekan alle acht Jahre, wobei bisher umfangreiche Berichte und Statistiken vorzulegen waren.

Seit einigen Jahren geht der Visitation eine Gemeindeversammlung voraus, wobei häufig auch die externe Wahrnehmung der Kirchengemeinde durch die politische Gemeinde, die Schulen und soziale Einrichtungen, z. B. Kliniken, gefragt ist.

 

Diese Gemeindeversammlung, hier Gemeindeforum genannt, führte die evangelische Kirchengemeinde Wildbad am vergangenen Dienstagabend im Ludwig-Hofacker-Haus (LHH) statt. Die evangelische Kirchengemeinde Wildbad zählt derzeit rund 2800 Gemeindemitglieder in den Stadtteilen Wildbad und Sprollenhaus.

 

In Anwesenheit von Dekan Werner Trick und Schuldekan Reinhard Zimmerling eröffnete Pfarrer Ulrich Hilzinger, der das Gemeindeforum moderierte, den Abend und wies auf den Sinn dieser Veranstaltung hin: Innehalten und Betrachten, Gewichtungen andeuten und Befindlichkeiten feststellen. Die Begründung hierfür sei auch in Luthers Aussage zu suchen: „Die Kirche ist eine, die immer zu reformieren ist.“

Pfarrer Gottfried Löffler nannte dieses erstmals stattfindende Gemeindeforum eine „Wanderung in eine unbekannte Region,“ um gemeinsam Wege, Ziele, Wünsche, Fragen, Visionen und auch Leiden zu erkennen.

 

Im ersten einstündigen Bereich der Innenwahrnehmung stellten sich in kurzen Statements Gruppen und Kreise vor: die Erwachsenen- und die Frauenarbeit durch Gottfried Löffler und Gisela Spahn, die Jugendarbeit Sprollenhaus durch Stefan Itzek, die Kirchenmusik Wildbad, Kantorei und Kinderchor durch Martin Frieß und die Kindergärten durch Elke Miller-Mehret (Wildbad) und Anne Merkle (Sprollenhaus). Über die Klinikseelsorge sprach Gabriele Koenigs, über die Frauenarbeit Sprollenhaus Andrea Günthner und Stefan Itzek, die Jugendarbeit in Wildbad wurde von Beate Kunz vorgestellt, die Arbeit der Diakonie von Waltraud Maisenbacher und Rosemarie Gall. Die Kirchenmusik Sprollenhaus und den Posaunenchor stellte Ewald Haag vor, der schulische Religionsunterricht wurde in einem abwechslungsreichen Fragespiel von Beate Kunz, Gottfried Löffler und Stefan Itzek beleuchtet, während Martin Kohnle auf die Kurseelsorge einging. Für die erkrankte Kristine Bürk berichtete Gottfried Löffler über die Arbeit des Hospizdienstes. Pfarramtliches war wiederum in einem Dialog zwischen Gottfried Löffler und Stefan Itzek zu hören. Die Tätigkeit des Kirchengemeinderats wurde in Versform von Manfred Haag aufgezeigt, und zu guter Letzt wurden die „Hintergrunddienste“ von Waltraud Maisenbacher, Cäcilia Keller, Valentina Fischer, Karin Knöller und Karina Gauß vorgestellt.

 

Es war eine eindrucksvolle und bisweilen selbstkritische Darstellung, welche die gesamte Bandbreite und Vielfalt der Aktivitäten der Kirchengemeinde aufzeigte, wie man sie im Allgemeinen sonst kaum zu sehen und zu hören bekommt.

 

Nach der von der Kantorei vorgetragenen Motette „Lobet den Herren“ (Hugo Distler) ging es um die Außenwahrnehmung. Hauptamtsleiter Alexander Rabsteyn zeigte die Verbindungen von Stadt, Tourismus und Soziales anhand der Kindergärten, Diakoniestation und Kurseelsorge auf. Studiendirektor Michael Lang ging auf die Verflechtung von Schule, Schüler, Eltern und Kirche ein. Dr. Georg Jäger lobte aus der Sicht der Kliniken die Arbeit der Klinikseelsorge an einem besonderen Einzelbeispiel, während Rektorin Bettina Weidner das Gemeindeforum als eine optimale Veranstaltung zum Kennenlernen der Kirchengemeinde bezeichnete, wobei die Verbindung zur Schule vor allem durch die Sondergottesdienste und den Religionsunterricht gegeben sei. Für die Vereine zeigte Martin Koch die Verbindungen auf, wobei er vor allem auf die Einsätze der Kultur-, Musik- und Gesangvereine im Zusammenhang mit der Kirche hinwies.

 

In einer halbstündigen Pause hatten die Teilnehmer des Gemeindeforums nicht nur zum Gespräch Zeit, sondern sollten auch ihre eigene Meinung zur Kirchengemeinde auf Plakaten aufschreiben. Dabei wurde einerseits eine große Zufriedenheit mit dem Bestand als auch der Wunsch nach größerer Vernetzung und Transparenz deutlich.

 

Dekan Werner Trick zeigte sich erfreut über den breit gefächerten Überblick und dankte vor allem den Ehren- und Hauptamtlichen, die ihre Erfahrung in den Dienst für die Gemeinde einbringen. Er wies darauf hin, immer das „Ganze“ im Blick zu behalten, die Begabungen und Gaben nutzen sowie die Verzahnung der Kirchen mit der öffentlichen Gemeinde weiterzuführen. Er wünschte allen Teilnehmern Gottes Segen.

Ein Kanon und ein Segensgebet bildeten den Abschluss des Gemeindeforums.

 

Bericht von Götz Bechtle