Einführung des Kirchengemeinderates im Gottesdienst am 27. Januar 2008

Die von Pfarrer Löffler in ihr Amt eingeführten Kirchengemeinderäte: Alexander Krauß, Frank Härter, Marion Günthner, Hans Volz, Hubert Keller, Heiderose Gauß, Martin Koch, Andrea Czerny, Gerhard Fischer, Irmgard Treiber und Manfred Haag (von links).

 

Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß.

Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern.

 

Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn.

Während wir dieses Lied singen, bitte ich die Kirchengemeinderäte hierher nach vorne, und zwar die gewählten genauso wie die hauptamtlichen Mitglieder.

 

Gemeindelied

EG 631, 1-3; Der Her ist gut, in dessen Dienst wir stehn

 

Liebe Kirchengemeinderäte, liebe Gemeinde!

Von Paulus haben wir vorhin einige Zeilen gehört zum Thema „in Gemeinschaft miteinander leben“. Und ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich das heute symbolisch aufgreifen könnte.

Vor 6 Jahren habe ich einen Pappkameraden mitgebracht zur Illustration. Den wollte ich nicht schon wieder bemühen.

Und dann ist mir ein anderes Sinnbild eingefallen.

 

(Jeder Kirchengemeinderat bekommt ein Zahnrad)

 

Zahnräder sind in unserer Welt beinahe unersetzlich geworden. Selbst der kleinste Motor kommt kaum ohne solche Rädchen aus, die Energie übertragen, umlenken, Bewegungen koordinieren, beschleunigen oder verlangsamen. Zahnräder gibt’s in verschiedenen Größen und Formen.

Das einfachste Getriebe besteht aus zwei Rädern:

Die Übersetzung von groß auf klein: Die bringt mehr Schwung, aber weniger Leistung.

Oder umgekehrt, klein auf groß: Da ist die Dynamik nicht ganz so ausgeprägt, aber die Power ist enorm.

Würde man nun die Frage stellen, welches dieser Modell besser ist, würde man am Kern der Sache vorbeigehen. Es kommt darauf an, wo dieses Getriebe zum Einsatz kommt und was es leisten soll.

In einem größeren Getriebe wirken unzählige solcher Rädchen zusammen, in komplizierter Anordnung.

Man/frau muss diese Anordnung gar nicht verstehen, um trotzdem zu begreifen, dass es der differenzierten Unterschiedlichkeit bedarf.

Wer schon mal versucht hat, ein Auto im vierten Gang aus dem Stand in Bewegung zu setzen, weiß, wovon ich spreche. Man schafft es schon - mit Mühe und auf Kosten der Kupplung. - Klinken wir uns hier einmal aus dem Beispiel aus und kommen zu uns.

Das seid ihr, sagt Paulus! Ein Körper, ein Leib. Jeder ein Rädchen, gemeinsam das Getriebe. So jedenfalls spricht der Apostel Paulus von der Gemeinde: ein Ganzes mit vielen Gliedern, die verschiedene Aufgabe haben. Bzw. genauer gesagt: verschiedene Gaben und Befähigungen haben. Das ist ein nicht ganz unwichtiger Unterschied, den wir immer wieder entdecken und ernst nehmen müssen.

Vielerorts läuft Gemeindearbeit nach dem Schema: Da ist eine Aufgabe und die muss einer machen. So läuft es bei uns an vielen Stellen letztlich auch. Einfach, weil es Zwänge gibt, aus denen wir nicht so einfach aussteigen können. Weil es Dinge im Leben einer Gemeinde gibt, die getan werden müssen.

Dabei darf aber das andere nicht aus dem Blick kommen bzw. muss immer mehr in den Blick genommen werden:

Zu entdecken: da ist eine/r, der hat diese oder jene Fähigkeit, Begabung, der könnte doch hier oder dort sich einbringen mit seinen Gaben. – Gabenorientierte Gemeindearbeit, heißt das dann in Fachbüchern zum Thema Gemeindeaufbau.

Ich denke, sie dürfen ihr neues Amt als Kirchengemeinderat aus diesem Blickwinkel sehen: Die Menschen, die sie als Kandidaten vorgeschlagen haben und die, die sie gewählt haben, die wollten zum Ausdruck bringen: Wir halten sie, wir halten dich für befähigt, diese Aufgabe in der Leitung der Kirchengemeinde als Kirchengemeinderat zu übernehmen und auszufüllen.

Und im Kirchengemeinderat können und müssen wir dann wiederum miteinander klären, wie jeder für sich diese Aufgabe wahrnimmt. Ausgehend von den gaben und Fähigkeiten des einzelnen.

Kirchengemeinderätin, Kirchengemeinderat zu sein bedeutet, eine Leitungsfunktion innezuhaben. Prozesse in die Wege leiten und begleiten, Entscheidungen treffen, und vieles andere dazu.

Leitung hat immer auch mit Macht zu tun. Wer möchte heutzutage nicht zu den Mächtigen gehören, zu denen, die das Sagen haben?! Nun, schätze ich Sie alle nicht so ein, dass sie Machtmenschen sind, die in der Kirchengemeinde austoben wollen, was ihnen andernorts an Machtausübung versagt bleibt. Vielleicht müsste man das Wort Macht deshalb besser durch den Begriff der Verantwortung austauschen.

Verantwortung für eine Sache übernehmen, d.h. doch: Mir geht es nicht um Selbstverwirklichung, sondern um die Sache, besser gesagt um die Menschen.

Verantwortung dafür, dass Menschen in unserer Kirchengemeinde Geborgenheit, Heimat erfahren.

Verantwortung übernehmen dafür, dass Kirche Kirche bleibt.

Verantwortung dafür, dass in allen Diskussionen um neue Wege die Hauptsache, Christus, im Zentrum all unserer Bemühungen bleibt.

Christlicher Glaube ist menschenfreundlich, weil Jesus selbst ein Freund der Menschen war. Und das soll man uns abspüren. Da stehen wir auf dem Prüfstand, und manchmal sogar im Rampenlicht. Andere wollen es uns abspüren können, wollen an unserem Verhalten ablesen können, wer die Herrschaft in unserem Leben ausübt. Insofern sind wir auch Vorbilder des Glaubens und der Liebe.

 

Und dafür dürfen und sollen wir dann all unsere Begabungen und Fähigkeiten einsetzen: Im organisatorischen Bereich beim Planen und Strukturieren genauso wie beim Gebet für die Gemeinde.

Ich freue mich auf die vor uns liegenden Jahre, freue mich auf die Zusammenarbeit, erhoffe mir von ihnen viele Impulse und auch Korrektur. – Das Ganze nochmals ins Bild: Ein Körper lebt vom optimalen Zusammenspiel aller seiner Glieder. Ein Getriebe vom funktionalen Miteinander der einzelnen Rädchen.

Und in der Gemeinde: Das gute Zusammenspiel zwischen Pfarrern, anderen Hauptamtlichen und den vielen Ehrenamtlichen.

Ich möchte deshalb ein Wort des Paulus ans Ende stellen, das uns allen einen Weg zu lebendiger Gemeinschaft weist:

 

1.Thessalonicher 5, 12-24

Wir bitten euch aber, liebe Brüder und [Schwestern], erkennt an, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen; habt sie um so lieber um ihres Werkes willen.

Haltet Frieden untereinander. Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, daß keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlaß, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt.

Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun. Amen.

Pfarrer Gottfried Löffler