Gelungene Aufführung in voll besetzter Kirche

Bis auf den letzten Platz besetzt war am Sonntagnachmittag die Bad Wildbader Stadtkirche bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach unter der Leitung von Martin Frieß.

Das „Weihnachtsoratorium,“  das für die Weihnachtszeit des Jahres 1734 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) komponiert und zusammengestellt worden war, gehört heute zu den berühmtesten und meist aufgeführten Kompositionen des Barockmusikers, Komponisten, Kantors und Instrumentalisten Bach.

Alle zwei Jahre ist es in Pforzheim zu hören, in diesem Jahr war es nun das Evangelische Kantorat Bad Wildbad, das sich der ersten drei Kantaten des umfangreichen Werkes annahm und mit dessen Aufführung am vergangenen Sonntagnachmittag die Stadtkirche bis auf den letzten Sitzplatz füllte. Zahlreiche weitere Besucher lauschten rund 90 Minuten stehend den ersten drei Teilen des sonst aus sechs Kantaten bestehenden Gesamtzyklus, das eigentlich die Geschehnisse der Weihnachtszeit vom ersten Weihnachtsfeiertag (25.12.) bis zum Epiphaniasfest (6.1.) umfasst.

So gesehen war der Bad Wildbader Aufführungstermin für die ersten drei Kantaten des Werks mit der Geburtsgeschichte (Lukas 2, 1-20), von Bach für die drei Weihnachtstage bestimmt, genau richtig terminiert.

Nur zum Teil komponierte Bach die Musik zum Weihnachtsoratorium neu, denn viele Chöre und Arien stammten aus zuvor entstandenen eigenen Kompositionen, außerdem benutzte er Choraltexte von Paul Gerhardt.

Die Bad Wildbader Aufführung war ein Projekt der Kantorei, mit dessen Proben erst Mitte September begonnen worden war. Martin Frieß konnte dazu außer seinen Sängerinnen und Sängern der Kantorei weitere begeisterte und stimmgewandte Sängerinnen und Sänger gewinnen, so dass rund 40 Vokalisten den stimmlichen Hintergrund des Oratoriums bildeten. Dazu kamen 25 Musiker und Musikerinnen, zum größten Teil von der Camerata Pforzheim.

Bereits der fulminante Auftakt mit dem Eingangschor „Jauchzet, frohlocket,“ dessen Melodie aus Bachs Glückwunschkantate für das sächsische Herrscherhaus stammt, machte deutlich, dass Chor, Orchester und der Dirigent Martin Frieß nicht nur hervorragend harmonierten, sondern dass die Zuhörer – sicherlich um die 500! – ein besonders hörenswertes Musikwerk erwarten konnten. Die Solisten Jeannette Bühler (Sopran), Gabriele Grund (Alt), Michael Berner (Tenor) und Joachim Herrmann (Bass), die vor allem die Rezitative und die Arien gestalteten, ergänzten den Wohlklang von Chor und Orchester mit ausgeprägten und wohlklingen Soli aufs Beste.

Auch wer kein Programm mehr bekommen hatte, um den gesungenen Text mitzulesen, konnte dem Inhalt der Worte gut folgen, ein Lob für die deutliche und klare Aussprache der Sängerinnen und Sänger. Die Befürchtung mancher Zuhörer, dass die Vokalisten durch die zahlreichen Instrumentalisten abgedrängt würden, erledigte sich rasch von alleine. Denn man konnte mit Freude feststellen, dass Martin Frieß das Orchester bestens im Griff hatte, um seinen Chor stimmlich zur Wirkung zu bringen, der als Laienchor auch schwierige Passagen bestens meisterte. Insgesamt ein musikalisches Erlebnis, das letztmals vor über 30 Jahren in der Bad Wildbader Stadtkirche aufgeführt wurde. Der anhaltende und begeisterte Beifall der Zuhörer bewies, dass die Kantorei und alle Mitwirkenden unter der Leitung von Martin Frieß die Erwartungen absolut erfüllen konnten. Dabei sollte man zudem beachten, dass die Kantorei ein Laienchor ist, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, anspruchsvollere Musikliteratur aus dem geistlichen Bereich den Musikfreunden zugänglich zu machen.

 

Götz Bechtle